Wie beantrage ich eine Kurzzeitpflege?

Von 24. Januar 2018 Mai 16th, 2019 Allgemein


Entlas­tung für pfle­gende Ange­hö­rige, schnelle Hilfe für Pfle­ge­be­dürf­tige oder Versor­gung nach einem Kran­ken­haus­auf­ent­halt – eine Kurz­zeit­pflege ist in diesen Situa­tionen eine gute Lösung. Lesen Sie, was Kurz­zeit­pflege im Detail bedeutet und wann Sie einen Anspruch darauf haben.


#1
Was ist eine Kurzzeitpflege?


Eine Kurz­zeit­pflege ist eine zeit­liche begrenzte voll­sta­tio­näre Pflege. Kurz­zeit­pflege kommt infrage, wenn es sich

  1. um eine Über­gangs­zeit im Anschluss an eine statio­näre bzw. ambu­lante Kran­ken­haus­be­hand­lung handelt. Nach einer schweren Opera­tion oder Erkran­kung brau­chen manche Pati­enten vorüber­ge­hend Pflege, ohne dass eine dauernde Pfle­ge­be­dürf­tig­keit vorliegt. Seit Januar 2016 ist die soge­nannte „Über­gangs­pflege“ eine neue Leis­tung der Kran­ken­kassen.
  2. wenn die Pfle­ge­person aufgrund von Urlaub oder Krank­heit die Versor­gung nicht über­nehmen kann (ähnlich der Verhin­de­rungs­pflege) oder
  3. in sons­tigen Krisen­si­tua­tionen, in denen vorüber­ge­hend eine häus­liche oder teil­sta­tio­näre Pflege (z.B. Tages­pflege) nicht möglich ist. Das kann ein spontan auftre­tender hoher Pfle­ge­be­darf des Ange­hö­rigen sein, den Sie selbst nicht auffangen können. Oder Sie haben noch keinen Heim­platz gefunden und suchen für einige Zeit eine Über­gangs­lö­sung. Bei b. und c. werden die Leis­tungen von den Pfle­ge­kassen über­nommen.


#2
Was kostet eine Kurzzeitpflege?


Pfle­ge­kassen über­nehmen die Kurz­zeit­pflege bis zu einer Dauer von 8 Wochen pro Kalen­der­jahr bis zu 1.612 Euro. Nicht in Anspruch genom­mene Zeiten der „Verhin­de­rungs­pflege“ können umge­la­gert werden. Maximal stehen für die Kurz­zeit­pflege dann 3.224 Euro zur Verfü­gung.

Hinweis: Der übliche Eigen­an­teil ( = Kosten für Unter­kunft und Verpfle­gung) ist auch bei der Kurz­zeit­pflege fällig, die Pfle­ge­kasse zahlt nur die Pfle­ge­kosten. Hat der Pfle­ge­be­dürf­tige keine ausrei­chenden finan­zi­ellen Mittel für den Eigen­an­teil, kann ein Antrag auf Kosten­über­nahme an das Sozi­alamt (in Mittel­franken an den Bezirk) gestellt werden. Dieses prüft, ob even­tuell Ange­hö­rige unter­halts­pflichtig sind.

Tipp: Seit Beginn 2017 erhalten Pfle­ge­be­dürf­tige einen monat­li­chen Betrag in Höhe von 125 Euro für zusätz­liche Betreu­ungs­leis­tungen. Dieser Betrag kann im Rahmen einer Kurz­zeit­pflege für die Unter­brin­gungs­kosten verwendet werden.

Während der Kurz­zeit­pflege zahlt die Pfle­ge­ver­si­che­rung das Pfle­ge­geld für bis zu vier Wochen pro Kalen­der­jahr zur Hälfte weiter.


#3 Wer hat Anspruch auf eine Kurzzeitpflege?


Es gibt zwei berech­tigte Perso­nen­kreise:

Anspruch auf Kurz­zeit­pflege haben pfle­ge­be­dürf­tige Personen ab dem Pfle­ge­grad 2. Pfle­ge­be­dürf­tige mit dem Pfle­ge­grad 1 können zumin­dest den Entlas­tungs­be­trag in Höhe von 125 Euro einsetzen.

Liegt keine dauernde Pfle­ge­be­dürf­tig­keit vor, kann die Kran­ken­kasse unter bestimmten Voraus­set­zungen eine Kurz­zeit­pflege im Anschluss an einen Kran­ken­haus­auf­ent­halt über­nehmen. Bis zu 4 Wochen pro Kalen­der­jahr. Die Kran­ken­kasse betei­ligt sich an den Kosten für die Pflege bis zu 1.612 Euro jähr­lich. Dem Versi­cherten bleibt der Eigen­an­teil, ca. 30 – 40 Euro pro Tag. Trans­port­kosten zur Einrich­tung und zurück nach Hause werden nicht über­nommen – weder von der Kranken- noch von der Pfle­ge­ver­si­che­rung. Reichen Sie bei der Steu­er­erklä­rung die Kosten der Kurz­zeit­pflege ein. Even­tuell werden sie als außer­ge­wöhn­liche Belas­tungen aner­kannt.


#4
Wo stellen Sie den Antrag auf Kurzzeitpflege?


Personen mit Pfle­ge­ein­stu­fung
oder ihre Ange­hö­rigen stellen den Antrag bei ihrer Pfle­ge­kasse, wenn die Kurz­zeit­pflege im Anschluss an die häus­liche Versor­gung beginnt.

Bei der Kurz­zeit­pflege im Anschluss an einen Kran­ken­haus­auf­ent­halt wenden Sie sich an den Sozi­al­dienst. Dieser hat die erfor­der­li­chen Antrags­un­ter­lagen und unter­stützt Sie bei der Suche nach einem freien Platz.

Hinweis: Manchmal sperren sich die Kassen, wenn es um die Über­nahme der Kosten für die Kurz­zeit­pflege nach dem Kran­ken­haus (ohne Pfle­ge­ein­stu­fung) geht. Es wird geprüft, ob die pfle­ge­ri­sche und haus­wirt­schaft­liche Versor­gung nicht von einer Person über­nommen werden kann, die im glei­chen Haus­halt lebt. Achten Sie darauf, dass im Antrag der genaue Hilfe­be­darf einge­tragen wird, z.B. Hilfe beim Waschen und Ankleiden. Bei einer Ableh­nung legen Sie inner­halb von vier Wochen Wider­spruch ein.

Tipp: In Feri­en­zeiten sind freie Kurz­zeit­plätze in den Einrich­tungen knapp. Melden Sie Ihren Ange­hö­rigen recht­zeitig an, sobald Ihre Urlaubs­pläne fest­stehen.


#5
Wie finden Sie eine gute Kurzzeitpflegeeinrichtung?


Die Kurz­zeit­pflege muss in einer zuge­las­senen Pfle­ge­ein­rich­tung genommen werden.

Im Internet bieten Pfle­ge­heim­na­vi­ga­toren ihre Hilfe bei der Suche nach einem Kurz­zeit­pfle­ge­platz an. Bei der Eingabe von Ihrer Post­leit­zahl erhalten Sie Name und Adressen von Einrich­tungen in Wohn­ort­nähe. (z.B. http://www.aok-pflegeheimnavigator.de/)

Nach meiner Erfah­rung ist diese Vorge­hens­weise in vielen Fällen nicht sehr erfolg­reich. Die Navi­ga­toren geben Ihnen zwar Infor­ma­tionen über geeig­nete Einrich­tungen, doch ist auf diesem Weg nicht zu erkennen, ob zur gewünschten Zeit ein freier Platz zur Verfü­gung steht. Dazu müssen Sie dann die jewei­ligen Heime anrufen. Bei einem länger im voraus geplanten Aufent­halt mag dies ein guter Weg sein. In der Praxis ist es meist sinn­voller, sich an einen Pfle­ge­stütz­punkt oder eine Pfle­ge­be­ra­tung zu wenden. Die Mitar­beiter bekommen dort täglich aktu­elle Infor­ma­tionen über freie Plätze in der Region und können Ihnen gleich sagen, ob es ein Einzel- oder Doppel­zimmer ist.

Pfle­ge­stütz­punkt Nürn­berg Tel. 0911 – 53 989 53  www.pflegestuetzpunkt.de

Erlangen/ Senio­renamt Tel. 09131 86 2329 www.erlangen.de   

Erlangen www.pflegeplatzboerse.uk-erlangen.de

Fach­stelle für Senioren Fürth Tel. 0911 – 974 1785 www.fuerth.de  → Senio­ren­be­ra­tung



Leis­tungen der Einrich­tung

In der Kurz­zeit­pfle­ge­ein­rich­tung immer enthalten sind Unter­kunft und Verpfle­gung, meist vier Mahl­zeiten am Tag und Getränke. Fragen Sie nach, falls Sie eine bestimmte Diät oder Schon­kost benö­tigen. Je nach Bedarf erhalten die Bewohner Unter­stüt­zung bei der körper­li­chen Hygiene, beim An- und Auskleiden und bei der Nahrungs­auf­nahme.

Falls erfor­der­lich, werden Verbands­wechsel, Blut­zu­cker- und Blut­druck­mes­sungen und weitere notwen­digen medi­zi­ni­schen und pfle­ge­ri­schen Leis­tungen durch­ge­führt. Friseur, Fußpflege, die Vermitt­lung von Physio­the­rapie oder Logo­pädie, kultu­relle Veran­stal­tungen oder Beschäf­ti­gungs­the­ra­pien, eine Cafe­teria oder das Angebot von sozialer Bera­tung werden oft ange­boten. Spre­chen Sie mit der Heim­lei­tung und lassen sich einen Haus­pro­spekt geben.

Ob nach einem Kran­ken­haus­auf­ent­halt oder für eine wohl­ver­diente Pause von der anstren­genden Pflege der Ange­hö­rigen – die Kurz­zeit­pflege ist ein Rettungs­anker in vielen Situa­tionen.