Skip to main content

Warum brauche ich eine Patientenverfügung?

Von 6. November 2021Unkategorisiert

Eine Patientenverfügung als Nachweis meiner Wünsche

Durch eine schwere Krank­heit oder einen Unfall können Situa­tionen auftreten, in denen Sie Ihren Willen oder Ihre Lebens­vor­stel­lungen nicht mehr selbst äußern können. Möchten Sie wieder­be­lebt werden? Dürfen Sie künst­lich ernährt oder beatmet werden?

In einer Pati­en­ten­ver­fü­gung wird fest­ge­legt, welche ärzt­li­chen Maßnahmen Sie in einem Notfall erhalten möchten und welche nicht. Nur etwa 30 % der deut­schen Bevöl­ke­rung haben bislang diese wich­tige Verfü­gung. Infor­mieren Sie sich in diesem Beitrag über die wesent­li­chen Punkte dieser Willens­er­klä­rung und wie Sie sicher­stellen können, dass Ihre Wünsche im Notfall auch berück­sich­tigt werden.

  1. Wer kann eine Pati­en­ten­ver­fü­gung verfassen?

    Eine Pati­en­ten­ver­fü­gung kann nur von geschäfts­fä­higen voll­jäh­rigen Personen erstellt werden. Sie selbst über­nehmen damit die volle Verant­wor­tung für zukünf­tige Entschei­dungen und entlasten dadurch Ihre Ange­hö­rigen. Für Fami­lien ist es oft schwer, Entschei­dungen für einen nahe­ste­henden Menschen zu treffen, die even­tuell das Leben verkürzen können. Selbst dann, wenn es voraus­sicht­lich keine Aussichten auf Heilung gibt. Behan­delnde Ärzte können durch eine vorlie­gende Pati­en­ten­ver­fü­gung Ihren Willen erkennen und die Thera­pien dementspre­chend anpassen.

    Pati­en­ten­ver­fü­gungen sind für die Ärzte bindend!

    Die Pati­en­ten­ver­fü­gung wird natür­lich erst dann einge­setzt, wenn Sie nicht mehr entschei­dungs­fähig sind. Deshalb ist es wichtig, sich bereits in gesunden Tagen mit diesem Thema ausein­an­der­zu­setzen. Dies gilt beson­ders für Menschen, bei denen eine begin­nende Demenz fest­ge­stellt wurde. Eine Pati­en­ten­ver­fü­gung kann jeder­zeit formlos – auch münd­lich – wider­rufen werden.

    Hinweis: Das Verfassen einer Pati­en­ten­ver­fü­gung ist eine frei­wil­lige Vorsorge. Es darf nicht als Bedin­gung für beispiels­weise den Einzug in ein Pfle­ge­heim gestellt werden.

  2. Muß die Pati­en­ten­ver­fü­gung eine bestimmte formelle Ausfüh­rung haben?

    Recht­lich gesehen bedarf es keiner bestimmten Form, nur eine Unter­schrift ist zwin­gend. Es ist also keine nota­ri­elle Beur­kun­dung notwendig. Ich empfehle Ihnen jedoch die Verwen­dung eines Vordru­ckes, den Sie in Buch­hand­lungen oder im Internet erwerben oder sich herun­ter­laden können.

    Das Baye­ri­sche Staats­mi­nis­te­rium der Justiz hat die Broschüre „Vorsorge für Unfall, Krank­heit, Alter durch Voll­macht, Betreu­ungs­ver­fü­gung, Pati­en­ten­ver­fü­gung“ (Bezugs­mög­lich­keiten siehe am Textende ) heraus­ge­bracht.
    Sie enthält nicht nur die jewei­ligen Formu­lare in 2-facher Ausfer­ti­gung, sondern gibt hilf­reiche Hinter­grund­in­for­ma­tionen, eine Anlei­tung zum Ausfüllen und eine Notfall­karte zum Mitführen bei den Ausweis­pa­pieren. Die Texte sind über­sicht­lich geglie­dert und verständ­lich geschrieben.

    Tipp: Achten Sie darauf, dass Sie die aktu­elle Version erhalten, meist erscheint jedes Jahr eine Neuauflage.

  3. Wie formu­liere ich eine Pati­en­ten­ver­fü­gung?

    Nicht empfeh­lens­wert ist es, nur auf Stan­dard­for­mu­lie­rungen zurück­zu­greifen. Nehmen Sie auch Ihre indi­vi­du­elle Wünsche bezüg­lich konkreter Behand­lungs­si­tua­tionen mit auf. Möglichst genaue Formu­lie­rungen helfen Arzt und Ange­hö­rigen ohne lange Über­le­gung, wie es viel­leicht von Ihnen gewünscht wäre.

    In der oben genannten Broschüre gibt es die Möglich­keit, die persön­li­chen Einstel­lungen zum Leben und Sterben nieder­zu­legen oder Ihre reli­giösen Anschau­ungen. Diese dienen als weitere Ausle­gungs­hilfe Ihrer Wünsche. Die Beschäf­ti­gung mit wich­tigen Fragen z.B.

    – Wie bin ich mit schweren Situa­tionen zurecht­ge­kommen?
    – Ist mir die Qualität meines Lebens wich­tiger als die Lebens­dauer?
    – Welche Bezie­hungen habe ich zu anderen Menschen?

    kann Ihnen viel­leicht Klar­heit darüber geben, wie Sie in bestimmten Situa­tionen ärzt­lich behan­delt werden wollen. Nehmen Sie sich viel Zeit für die Beant­wor­tung dieser Fragen.

    Sie können die Inhalte der Pati­en­ten­ver­fü­gung nicht nur mit Ange­hö­rigen, sondern auch mit einem Pfarrer oder den Ärzten bespre­chen, denen Sie vertrauen. Eine fach­kun­dige Bera­tung hilft zur Vermei­dung von mögli­chen Wider­sprü­chen zwischen Ihren einzelnen Formulierungen.

  4. Wie erfahren die behan­delnden Ärzte von meiner Pati­en­ten­ver­fü­gung?

    Eine Pati­en­ten­ver­fü­gung macht nur dann Sinn, wenn man sie im Ernst­fall auch schnell findet. Infor­mieren Sie also den von Ihnen bestimmten Bevoll­mäch­tigten, Ihre Familie oder den Haus­arzt. Sagen Sie den Betref­fenden, wo sie dieses Doku­ment in Ihrer Wohnung finden können und hinter­legen einen Hinweis auf Ihre Pati­en­ten­ver­fü­gung in Ihrem Geld­beutel. Sinn­voll ist es, ihn gleich hinter Ihre Kran­ken­ver­si­che­rungs­karte zu legen. Bei einem Notfall wird vom Pfle­ge­per­sonal sofort danach gesucht.

    Die Infor­ma­tion über die Exis­tenz einer Pati­en­ten­ver­fü­gung als Notfall­pass für den Geld­beutel können Sie sich im Internet herun­ter­laden, z.B. bei www.betreuung-regio-ac.de . Manchmal kann man ihn auch in Apotheken bekommen, fragen Sie nach.

    Eine weitere Möglich­keit der Hinter­le­gung bietet die Regis­trie­rung im Zentralen Vorsor­ge­re­gister von der Bundes­no­tar­kammer. Dort fragen Gerichte vor der Anord­nung eines Betreuers nach, ob eine Pati­enten- bzw. Betreu­ungs­ver­fü­gung vorliegt. www.vorsorgeregister.de

    Hinweis: Empfeh­lens­wert ist die Kombi­na­tion der Pati­en­ten­ver­fü­gung mit einer Vorsor­ge­voll­macht. Darin wird fest­ge­legt, welche Person in einem Ernst­fall Entschei­dungen im Sinne des Pati­enten treffen darf. Ihre Kontakt­daten werden auch in der Pati­en­ten­ver­fü­gung vermerkt. Tauschen Sie sich mit dieser Vertrau­ens­person recht­zeitig über Ihre gesund­heit­li­chen Wünsche aus.
    Nähere Infor­ma­tionen zu diesem Thema erhalten Sie auf meinem Blog:
    https://www.seniorenziehenum.de/wo-liegen-die-unterschiede-zwischen-einer-betreuungsverfuegung-und-einer-vorsorgevollmacht/

  5. Wie lange ist eine Pati­en­ten­ver­fü­gung gültig?

    Rein recht­lich gibt es keine bestimmte Frist.

    Es reicht jedoch nicht, mit 55 Jahren einmal diese Verfü­gung auszu­füllen und sie dann in der Schub­lade zu verstauen. Ihre gesund­heit­liche und persön­liche Situa­tion kann sich ändern oder Ihre Ansichten zum Leben und Sterben. Ich empfehle deshalb, sich einmal jähr­lich damit zu befassen und Ihre Vorstel­lungen zu überprüfen.

  6. Wo erhalte ich noch weitere Infor­ma­tionen?

    Bitte beachten Sie, dass meine darge­stellten Ausfüh­rungen nur einen ersten Über­blick zum Thema Pati­en­ten­ver­fü­gung bieten. Weitere Infor­ma­tionen erhalten Sie z.B. in der Broschüre vom
    Baye­ri­schen Staats­mi­nis­te­rium der Justiz – Vorsorge für Unfall, Krank­heit und Alter 

    Diese Broschüre mit Vordru­cken (ca. € 6,-) können Sie im Internet bestellen oder in Buch­ge­schäften erwerben.

    Eine persön­liche Bera­tung erhalten Sie in Mittel­franken u.a. bei folgenden Stellen:

    » fübs- Fürther Fach­stelle für Senio­rinnen und Senioren, Königs­straße 112-114, 90762 Fürth
    Tel. 0911 – 974-17

    » oder das Team der Betreu­ungs­stelle beim Land­ratsamt Fürth, Stre­se­mann­platz 11, 90763 Fürth
    Tel. 0911 – 9773 – 12 46

    » Die Stadt Nürn­berg bietet jeden ersten Dienstag im Monat kosten­lose Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tungen zum Thema Vorsor­ge­mög­lich­keiten im Nach­bar­schafts­haus Gostenhof, Adam-Klein-Str.6, 90429 Nürn­berg
    Zeit: 15:30 Uhr – 16:45 Uhr Großer Saal, eine Anmel­dung ist nicht erfor­der­lich

    » in Erlangen bietet der Hospiz­verein Bera­tungen zu Pati­en­ten­ver­fü­gung, Vorsor­ge­voll­macht oder Betreu­ungs­ver­fü­gung kostenlos an. Für Termin­ver­ein­ba­rungen rufen Sie bitte unter der Tel. 09131 – 940 560 an.

    Regel­mäßig finden auch Vorträge bei der Volks­hoch­schule Erlangen statt.