Tages- und Nachtpflege als teilstationäre Leistungen für Pflegebedürftige

Von 20. Februar 2018 Februar 25th, 2018 Allgemein


Die Pflege von Ange­hö­rigen ist eine heraus­for­dernde Aufgabe, die viel Kraft kostet. Beson­ders berufs­tä­tige Ange­hö­rige machen sich oft Gedanken, wie es dem Pfle­ge­be­dürf­tigen geht, wenn sie nicht bei ihm sein können. Sie befürchten, dass er nicht ausrei­chend versorgt ist, z.B. nicht genug isst und trinkt oder sein Tages­ab­lauf keine regel­mä­ßige Struktur hat. Sie versu­chen alles, um den Pfle­ge­be­dürf­tigen nicht in ein Heim geben zu müssen.

Zur Vermei­dung einer stän­digen Über­be­las­tung und als Ergän­zung zur häus­li­chen Pflege hat der Gesetz­geber die Möglich­keit zur teil­sta­tio­nären Betreuung geschaffen: das Angebot einer Tages- und Nacht­pflege. In diesem Beitrag stelle ich Ihnen das Konzept und die Finan­zie­rung vor.


WAS IST EINE TAGESPFLEGE FÜR SENIOREN?


Als teil­sta­tio­näre Versor­gung wird die zeit­weise Betreuung während des Tages oder in der Nacht in einer Einrich­tung bezeichnet. Sind die zeit­lich begrenzten Besuche eines ambu­lanten Pfle­ge­dienstes nicht ausrei­chend und eine Rundum-Versor­gung im Pfle­ge­heim (noch) nicht erfor­der­lich, ist die Tages- oder Nacht­pflege ein gutes Binde­glied zwischen ambu­lanter und statio­närer Pflege.

Dies sind spezi­elle Tages­pfle­ge­ein­rich­tungen oder Pfle­ge­heime, die Tages­pflege anbieten – oft auch ambu­lante Pfle­ge­dienste. Die Räum­lich­keiten sind barrie­re­frei und meist recht wohn­lich gestaltet, bieten sowohl Gemein­schafts­räume als auch Möglich­keiten zum Rückzug oder Ruhen. Der Besuch einer Tages­pfle­ge­ein­rich­tung ist ein- oder mehr­mals die Woche möglich, Öffnungs­zeiten sind meist zwischen 8 und 16 Uhr.

In der Regel besteht das betreu­ende Personal aus Alten- oder Kran­ken­pfle­ge­kräften, Haus­wirt­schafts­kräften, Betreu­ungs­kräften nach § 37b und auch aus ehren­amt­li­chen Helfern. Regel­mä­ßige Ange­hö­ri­gen­abende unter­stützen den gegen­sei­tigen Austausch.

Die teil­sta­tio­näre Pflege umfasst auch die even­tuell erfor­der­liche Beför­de­rung von Zuhause in die Einrich­tung.


FÜR WEN IST EINE TAGESPFLEGE GEEIGNET?


Geeignet ist die Tages­pflege für ältere Menschen mit körper­li­chen oder kogni­tiven (z.B. Demenz) Einschrän­kungen, die ohne Unter­stüt­zung den Alltag nicht mehr bewäl­tigen können. Es ist eine gute Möglich­keit für Senioren, die zwar Betreuung oder Pflege benö­tigen, aber weiterhin in ihrem gewohnten häus­li­chen Umfeld wohnen möchten. Tags­über halten sie sich in der Tages­pfle­ge­ein­rich­tung auf und sind abends und am Wochen­ende in ihrem Zuhause.

Einen recht­li­chen Anspruch auf eine teil­sta­tio­näre Pflege haben Pfle­ge­be­dürf­tige, wenn die häus­liche Pflege nicht ausrei­chend gesi­chert ist oder dadurch gestärkt werden kann.

Der Pfle­ge­be­dürf­tige muss trans­port­fähig und in der Lage sein, mehrere Stunden am Tag sitzend zu verbringen. Roll­stühle etc. sind kein Problem, da die Einrich­tungen barrie­re­frei gestaltet sind.

Tipp:

Beson­ders Menschen mit Demenz haben oft Angst vor Verän­de­rungen und unbe­kannten Situa­tionen. Zum Abbau dieser Ängste kann ein „Schnup­pertag“ helfen. Machen Sie sich vorher selbst ein Bild und besu­chen die Einrich­tung alleine. Lassen Sie sich ausführ­lich beraten, wie Sie Ihren Ange­hö­rigen auf diesen Schritt vorbe­reiten können.


WELCHE LEISTUNGEN BIETEN DIE TAGESPFLEGEEINRICHTUNGEN?


Die meisten Einrich­tungen bieten

  • eine stunden- oder tage­weise Betreuung in Gruppen
  • je nach Öffnungs­zeiten mehrere Mahl­zeiten
  • Pflege und medi­zi­ni­sche Betreuung, d.h. Leis­tungen zur Grund­pflege wie Hilfe beim Essen und dem Toilet­ten­gang oder thera­peu­ti­sche Anwen­dungen
  • verschie­dene Programme zur Frei­zeit­ge­stal­tung ( Gymnastik, Kochen, Spazier­gänge, Gedächt­nis­trai­ning, Ausflüge usw.)


WIE SETZEN SICH DIE KOSTEN FÜR DIE TAGES- UND NACHTPFLEGE ZUSAMMEN?


Die Kosten für eine Tages­pfle­ge­ein­rich­tung vari­ieren je nach Einrich­tung und Umfang der Leis­tungen. Sie setzen sich aus folgenden Einzel­posten zusammen:

  • Unter­brin­gung und Verpfle­gung als Stunden- oder Tages­pau­schale
  • pfle­ge­ri­sche oder medi­zi­ni­sche Betreuung (abhängig vom jewei­ligen Pfle­ge­be­darf)
  • Inves­ti­ti­ons­kosten für die Anschaf­fung und Instand­hal­tung von Einrich­tungs­ge­gen­stände und Gebäuden
  • Fahr­dienst­pau­schale oder Abrech­nung nach anfal­lenden Kilo­me­tern


WIE KANN DIE TAGES- UND NACHTPFLEGE FINANZIERT WERDEN?

  1. Für Selbst­zahler kostet ein Tag ca. 85 Euro.

  1. Bis zu den jewei­ligen Höchst­be­trägen über­nimmt die Pfle­ge­kasse die Kosten für die pfle­ge­ri­sche und medi­zi­ni­sche Betreuung in der Tages­pfle­ge­ein­rich­tung. Darin enthalten sind auch die Fahrten zur Einrich­tung. Voraus­set­zung für die Über­nahme ist die Notwen­dig­keit einer teil­sta­tio­nären Versor­gung, wenn also die häus­liche Pflege nicht ausreicht. Dies ist meist bei berufs­tä­tigen Ange­hö­rigen der Fall oder wenn die pfle­genden Ange­hö­rige Unter­stüt­zung bei der häus­li­chen Pflege benö­tigen.

Kosten für Unter­kunft , Verpfle­gung und Inves­ti­ti­ons­kosten müssen – wie auch in einer voll­sta­tio­nären Einrich­tung – als Eigen­an­teil über­nommen werden. Dies sind ca. 30 Euro pro Tag.

Je nach Pfle­ge­grad erhalten Sie folgende Beträge von der Pfle­ge­ver­si­che­rung als Pfle­ge­sach­leis­tungen, mit denen die Tages­pflege bezahlt werden kann.

Pfle­ge­grad 2: 689 Euro Pfle­ge­grad 3: 1.298 Euro

Pfle­ge­grad 4: 1.612 Euro Pfle­ge­grad 5: 1.995 Euro

Wichtig:

Diese Beträge können zusätz­lich zu den ambu­lanten Pfle­ge­sach­leis­tungen oder zum Pfle­ge­geld in Anspruch genommen werden. Sie können also weiterhin zur Unter­stüt­zung z.B. beim morgend­li­chen Waschen einen ambu­lanten Pfle­ge­dienst beauf­tragen ohne dass diese Leis­tungen von den oben ange­ge­benen Beträgen abge­zogen werden.

  1. Zusätz­lich bekommt jeder, der einen Pfle­ge­grad hat, einen Entlas­tungs­be­trag in Höhe von 125 Euro pro Monat, der für Tages­pflege einge­setzt werden können. Dies gilt auch für den Pfle­ge­grad 1.

  1. Pro Jahr haben Sie ebenso Anspruch auf 1.612 Euro für die Tages- und Nacht­pflege im Rahmen der Verhin­de­rungs­pflege. Wenn im betref­fenden Kalen­der­jahr noch keine Kurz­zeit­pflege bean­sprucht wurde, kann zusätz­lich die Hälfte des Betrages für die Tages­pflege einge­setzt werden. Insge­samt sind es somit 2.418 Euro pro Jahr.

  1. Reichen die Leis­tungen der Pfle­ge­ver­si­che­rung nicht aus und die Diffe­renz kann nicht selbst bezahlt werden, besteht even­tuell Anspruch auf Leis­tungen der Hilfe zur Pflege“. Bitte wenden Sie sich dafür an das zustän­dige Sozi­alamt.

Tipp:

Auf der Webseite des Bundes­mi­nis­te­riums für Gesund­heit finden Sie einen inter­ak­tiven Pfle­ge­leis­tungs-Helfer. Damit erkennen Sie sofort, welche monat­li­chen Leis­tungen Sie für Ihre indi­vi­du­elle Situa­tion nutzen können.

www.pflegeleistungs-helfer.de


WAS IST EINE NACHTPFLEGE FÜR SENIOREN?


Eine Nacht­pflege für Senioren bietet die glei­chen Leis­tungen der Tages­pflege mit dem Unter­schied, dass diese in der Nacht erbracht werden. Beson­ders wichtig ist dieses Angebot für Ange­hö­rige, die einen demenz­er­krankten Ange­hö­rigen versorgen. Oft ist bei ihnen der Tages- und Nacht­rhythmus gestört und die Ange­hö­rigen haben keine ausrei­chende Nacht­ruhe mehr. Stän­diger Schlaf­mangel und Erschöp­fung machen krank – die Nacht­pflege kann dem vorbeugen.

Die Nacht­be­treuung wird meist von Mitar­bei­tern eines ambu­lanten Pfle­ge­dienstes im häus­li­chen Umfeld über­nommen . Manche Einrich­tungen haben sich auch auf die beson­deren Bedürf­nisse von demenz­kranken Menschen spezia­li­siert und bieten z.B. ein Nacht­cafe an.

Die Kosten für die Nacht­pflege setzen sich aus den glei­chen Einzel­posten wie bei der Tages­pflege zusammen.


 Das Konzept der Tages- und Nacht­pflege ist eine gute Alter­na­tive zu einer Heim­un­ter­brin­gung. Fast 90 % der Tages­pfle­ge­gäste sind demenz­er­krankt und die Ange­hö­rigen erhalten durch die teil­sta­tio­näre Versor­gung die notwen­dige Zeit für persön­liche Erle­di­gungen oder zum Auftanken neuer Kräfte. Vielen Ange­hö­rigen ermög­licht die Tages­pflege die Fort­set­zung ihrer beruf­li­chen Tätig­keit.

Für die Demenz­kranken ist der Kontakt mit anderen Gleich­ge­sinnten wichtig. Sie sehen, dass nicht nur sie Einschrän­kungen haben und können sich gegen­seitig stärken. Oft wachsen Gruppen zusammen, auch wenn sie sich viel­leicht nicht an die jewei­ligen Namen der Mitglieder erin­nern. Anre­gende Beschäf­ti­gungen, gemein­same Mahl­zeiten und Ruhe­pausen geben ihnen eine wohl­tu­ende Struktur des Alltags. Ange­hö­rige berichten oft, dass die Demenz­kranken am Abend recht entspannt nach Hause kommen.

Für beide Seiten ist dieses Angebot eine gute Möglich­keit, die Pflege in der Familie und im eigenen Zuhause zu ergänzen.



Das Bürger­te­lefon zur Pfle­ge­ver­si­che­rung vom Bundes­mi­nis­te­rium für Gesund­heit bietet eine erste Orien­tie­rung. Erreichbar ist es Mo – Do von 8 – 18 Uhr und Fr von 8 – 12 Uhr.

Telefon 030 – 340 60 66 – 02

www.bundesgesundheitsministerium.de/service/buergertelefon


Wenn Sie wissen möchten, wo sich in Ihrer Nähe eine Tages­pfle­ge­ein­rich­tung befindet, infor­mieren Sie sich bitte auf den Seiten vom Bezirk Mittel­franken oder fragen Sie bei den Pflegestützpunkten/Seniorenberatungen in Ihrer Kommune nach. Anlauf­stellen im Groß­raum Nürn­berg, Fürth und Erlangen finden Sie auf meiner Seite „Bera­tungs­stellen“.

http://www.wegweiser-gerontopsychiatrie-mfr.de/search/node/Tagespflege