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Grundsicherung im Alter – wenn die Rente nicht reicht.

Von 24. Februar 2018August 1st, 2022Unkategorisiert


Allein von ihrer Rente können Hunderttausende Senioren in Deutschland nicht leben. Selbst bei Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, reicht die eigene Rente oft nicht für ihren Lebensunterhalt aus.

In den Medien ist deshalb immer häufiger von der „Altersarmut“ die Rede. Besonders betrifft dies ältere Frauen aus den westlichen Bundesländern. Sie haben oft aufgrund der Kindererziehung und Angehörigenpflege nicht durchgängig gearbeitet oder dies nur in schlecht bezahlten Berufen.

Die Zahl der Menschen, die im Alter Sozialleistungen erhalten, stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich an und verdoppelte sich seit 2003. Eine Veränderung dieser Entwicklung ist nicht abzusehen.

Personen im Rentenalter können bei Bedürftigkeit „Grundsicherung im Alter“ beantragen. Ich informiere Sie in diesem Beitrag über wichtige Punkte zum Bezug dieser Leistung.

Hinweis: Hervorgehobene Begriffe in grüner Farbe führen Sie direkt zu näheren Informationen auf den entsprechenden Webseiten.

 

WER HAT ANSPRUCH AUF GRUNDSICHERUNG IM ALTER?


Für die Beantragung von Grundsicherung im Alter muss eine Bedürftigkeit vorliegen, das Erreichen des Alters für die Regelaltersrente und ein gewöhnlicher Wohnort in Deutschland.

Bei der Feststellung der Bedürftigkeit zählt das Einkommen und vorhandenes Vermögen:

Zum Einkommen gehören Renten, Arbeitseinkommen, Unterhaltszahlungen, Mieteinnahmen und Zinsen.
Leistungen der Sozialhilfe z.B. Blindengeld oder Pflegegeld im Rahmen der „Hilfe zur Pflege“sind davon ausgenommen. Ab 2018 sind 100 Euro monatlich anrechnungsfrei, wenn Sie Auszahlungen von einer Riester-Rente bekommen. Darüber hinaus sind zusätzlich 30 % des darüberliegenden Betrages frei  – höchstens jedoch 218 Euro.

Zum Vermögen gehören Haus- und Grundvermögen, Bargeld und Guthaben auf Konten, Rückkaufwerte von Lebensversicherungen, Erbansprüche oder ein PKW.
Das Vermögen wird nicht angerechnet, wenn es folgenden Betrag nicht überschreitet:
Bei Alleinstehenden: 5.000Euro
Bei (Ehe-)Partnern: 10.000 Euro

Hinweis: Wer seine Bedürftigkeit vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt hat, hat keinen Anspruch auf Grundsicherung. So ist es nicht möglich, Grundsicherung zu beantragen, wenn das eigene Vermögen in den letzten 10 Jahren den Kindern geschenkt wurde und nun die  vorhandenen Mittel zum Lebensunterhalt nicht ausreichen.

 

KÖNNEN SIE AUCH ALS HEIMBEWOHNER GRUNDSICHERUNG BEZIEHEN?

 

Ja, auch Menschen in stationären Einrichtungen können Grundsicherung im Alter erhalten. Ergänzende Leistungen wie z.B. eine Pauschale für Kleidung und ein Barbetrag für persönliche Ausgaben oder „Hilfe zur Pflege“ können gewährt werden. Es wird jedoch geprüft, ob Angehörige zum Unterhalt verpflichtet sind.

WIE HOCH IST DIE GRUNDSICHERUNG IM ALTER?

Die Höhe der Grundsicherung ist nicht für alle gleich. Das Sozialamt stellt fest, wie hoch Ihr Bedarf im Einzelfall ist. Folgende Positionen werden in die Berechnung miteinbezogen:

1. der maßgebende Regelsatz (für Alleinstehende 449 Euro).
Mit diesem Regelsatz sollen alle regelmäßigen und einmaligen Ausgaben bezahlt werden. Dazu gehören unter anderem Lebensmittel, Bekleidung, Haushaltsgeräte, Reparaturen.
2. die angemessenen Aufwendungen für Unterkunft und Heizung
3. eventuelle Mehrbedarfe z.B. bei Merkzeichen „G“ im Schwerbehindertenausweis oder bei notwendiger Krankenkost
4. einmalige Beihilfen zum Beispiel für die Anschaffung von orthopädischen Schuhen oder therapeutischen Geräten
5. die Übernahme von Kranken und Pflegeversicherungsbeiträgen, Zusatzbeiträgen und Vorsorgebeiträge, wenn keine gesetzliche Krankenversicherung besteht

Ist das Einkommen geringer als der monatliche Bedarf, so erhalten Sie den Differenzbetrag.

Musterberechnung:

Frau Schmidt, alleinstehend, 82 Jahre
Ihre monatliche Nettorente ist 400 Euro
Die monatlichen Ausgaben an Miete und Nebenkosten sind 350 Euro plus 40 Euro Heizkosten

Der Regelsatz für Alleinstehende:         449 Euro
Miete/Nebenkosten:                                  350 Euro
Heizkosten:                                                    40 Euro

Somit besteht ein monatlicher Gesamtbedarf von 839 Euro. Abzüglich ihrer Rente hat sie einen Bedarf von 439 Euro, die ihr als Grundsicherung überwiesen werden.Da Frau Schmidt unter einer chronischen Durchfallerkrankung leidet, erhält sie zusätzlich jeden Monat ca. 90 Euro für eine glutenfreie Ernährung.

Als Faustregel gilt: Wenn Ihr gesamtes monatliches Einkommen unter ca. 930 Euro liegt, sollten Sie prüfen lassen, ob Sie einen Anspruch auf Grundsicherung haben.

Seit Anfang 2021 neuer Rentenfreibetrag
Für Rentner, die langjährig versichert waren, gibt es seit Anfang 2021 einen neuen Rentenfreibetrag bei der gesetzlichen Rente: Bis zu 224,50 Euro (2022) von der Rente werden nun auf die Grundsicherungsansprüche nicht angerechnet.

TIPP: Lassen Sie sich mit dem Leistungsbescheid vom Sozialamt von der Rundfunkbeitragspflicht befreien. Anträge online unter www.rundfunkbeitrag.de bei Gemeindeverwaltungen oder: ARD ZDF Deutschlandradio, Beitragsservice, 50656 Köln.
Bei Ihrer Krankenkasse können Sie eine Freistellung von Zuzahlungen für Medikamente oder Verordnungen beantragen.

 

KÖNNEN SIE IN IHRER WOHNUNG BLEIBEN?

Mietwohnung:
Ja, solange die Wohnung von den Mietkosten und der Größe her angemessen ist. Als Richtschnur gelten etwa 50 Quadratmeter für eine Person.
Falls Ihre Wohnung als unangemessen gilt, kann zum Umzug aufgefordert werden oder die Zahlungen gekürzt werden. Allerdings muss ein Umzug für Sie zumutbar sein. Ist dies nicht der Fall, kann das Sozialamt auch dauerhaft höhere Mietkosten anerkennen.

Hinweis: Grundsicherung und der Bezug von Wohngeld schließen sich aus, da bei der Berechnung der Grundsicherung die Unterkunftskosten bereits berücksichtigt sind.

Eigentum:
Ja, auch hier gilt das Prinzip der angemessenen Größe. Bei einer Wohnung sind dies etwa 120 Quadratmeter, bei einem Haus etwa 130. Nebenkosten wie Wasser- oder Müllgebühren können geltend gemacht werden.

WO KÖNNEN SIE DIE GRUNDSICHERUNG BEANTRAGEN?

Den Antrag auf Grundsicherung im Alter stellen Sie beim örtlichen Sozialamt – die Adressen der Ämter in Nürnberg, Fürth und Erlangen sehen Sie am Ende des Beitrags.

Sie können den Antrag auch bei Ihrem Rentenversicherungsträger stellen, der ihn dann an die zuständige Stelle weiterleitet. Bei Renten bis zur Zeit 838 Euro liegt dem Rentenbescheid bereits ein Antragsformular bei.

Grundsicherung wird erst ab der Antragstellung bewilligt und nicht rückwirkend bezahlt. Üblich ist die Bewilligung für 12 Kalendermonate. Sind Sie mit dem Bescheid des Sozialamtes nicht einverstanden, können Sie innerhalb von vier Wochen einen Widerspruch einlegen.

Scheuen Sie sich bei Bedürftigkeit nicht davor, einen Antrag auf Grundsicherung zu stellen. Das ist Ihr gutes Recht!

Weitere Informationen erhalten Sie bei den zuständigen Sozialämtern oder bei der Deutschen Rentenversicherung.

Telefonisch unter dem kostenlosen Servicetelefon: 0800 1000 4800

Im Internet unter www.deutsche-rentenversicherung.de
Dort finden Sie viele Vordrucke und Broschüren zum Herunterladen oder Bestellen.

Oder im persönlichen Gespräch bei den Beratungsstellen. Die nächstgelegene Stelle finden Sie im Internet oder erfragen sie am Servicetelefon.

 


 

Amt für Existenzsicherung und soziale Integration
Wirtschaftliche Hilfen
Frauentorgraben 17, 90443 Nürnberg, Telefon: 0911 – 231 – 5513
www.nuernberg.de

Amt für Soziales, Wohnen und Seniorenangelegenheiten
Königsplatz 2, 90762 Fürth, Telefon 0911 – 974 1837
www.fuerth.de 

Sozialamt der Stadt Erlangen
Rathausplatz 1, 4.OG, 91052 Erlangen, Telefon 09131 – 862311
www.erlangen.de