Grundsicherung im Alter – wenn die Rente nicht reicht.

Von 24. Februar 2018 März 7th, 2018 Unkategorisiert


Allein von ihrer Rente können Hundert­tau­sende Senioren in Deutsch­land nicht leben. Selbst bei Menschen, die ihr Leben lang gear­beitet haben, reicht die eigene Rente oft nicht für ihren Lebens­un­ter­halt aus.

In den Medien ist deshalb immer häufiger von der „Alters­armut“ die Rede. Beson­ders betrifft dies ältere Frauen aus den west­li­chen Bundes­län­dern. Sie haben oft aufgrund der Kinder­er­zie­hung und Ange­hö­ri­gen­pflege nicht durch­gängig gear­beitet oder dies nur in schlecht bezahlten Berufen.

Die Zahl der Menschen, die im Alter Sozi­al­leis­tungen erhalten, stieg in den vergan­genen Jahren konti­nu­ier­lich an und verdop­pelte sich seit 2003. Eine Verän­de­rung dieser Entwick­lung ist nicht abzu­sehen.

Personen im Renten­alter können bei Bedürf­tig­keit „Grund­si­che­rung im Alter“ bean­tragen. Ich infor­miere Sie in diesem Beitrag über wich­tige Punkte zum Bezug dieser Leis­tung.


WER HAT ANSPRUCH AUF GRUNDSICHERUNG IM ALTER?


Für die Bean­tra­gung von Grund­si­che­rung im Alter muss eine Bedürf­tig­keit vorliegen, das Errei­chen des Alters für die Regel­al­ters­rente und ein gewöhn­li­cher Wohnort in Deutsch­land.

Bei der Fest­stel­lung der Bedürf­tig­keit zählt das Einkommen und vorhan­denes Vermögen:

Zum Einkommen gehören Renten, Arbeits­ein­kommen, Unter­halts­zah­lungen, Miet­ein­nahmen und Zinsen.
Leis­tungen der Sozi­al­hilfe z.B. Blin­den­geld oder Pfle­ge­geld im Rahmen der „Hilfe zur Pflege“sind davon ausge­nommen. Ab 2018 sind 100 Euro monat­lich anrech­nungs­frei, wenn Sie Auszah­lungen von einer Riester-Rente bekommen. Darüber hinaus sind zusätz­lich 30 % des darüber­lie­genden Betrages frei – höchs­tens jedoch 218 Euro.

Zum Vermögen gehören Haus- und Grund­ver­mögen, Bargeld und Guthaben auf Konten, Rück­kauf­werte von Lebens­ver­si­che­rungen, Erban­sprüche oder ein PKW.
Das Vermögen wird nicht ange­rechnet, wenn es folgenden Betrag nicht über­schreitet:
Bei Allein­ste­henden: 5.000Euro
Bei (Ehe-)Partnern: 10.000 Euro

Hinweis: Wer seine Bedürf­tig­keit vorsätz­lich oder grob fahr­lässig herbei­ge­führt hat, hat keinen Anspruch auf Grund­si­che­rung. So ist es nicht möglich, Grund­si­che­rung zu bean­tragen, wenn das eigene Vermögen in den letzten 10 Jahren den Kindern geschenkt wurde und nun die vorhan­denen Mittel zum Lebens­un­ter­halt nicht ausrei­chen.


KÖNNEN SIE AUCH ALS HEIMBEWOHNER GRUNDSICHERUNG BEZIEHEN?


Ja, auch Menschen in statio­nären Einrich­tungen können Grund­si­che­rung im Alter erhalten. Ergän­zende Leis­tungen wie z.B. eine Pauschale für Klei­dung und ein Barbe­trag für persön­liche Ausgaben oder „Hilfe zur Pflege“ können gewährt werden. Es wird jedoch geprüft, ob Ange­hö­rige zum Unter­halt verpflichtet sind.


WIE HOCH IST DIE GRUNDSICHERUNG IM ALTER?


Die Höhe der Grund­si­che­rung ist nicht für alle gleich. Das Sozi­alamt stellt fest, wie hoch Ihr Bedarf im Einzel­fall ist. Folgende Posi­tionen werden in die Berech­nung mitein­be­zogen:

1. der maßge­bende Regel­satz (für Allein­ste­hende 416 Euro).
Mit diesem Regel­satz sollen alle regel­mä­ßigen und einma­ligen Ausgaben bezahlt werden. Dazu gehören unter anderem Lebens­mittel, Beklei­dung, Haus­halts­ge­räte, Repa­ra­turen.
2. die ange­mes­senen Aufwen­dungen für Unter­kunft und Heizung
3. even­tu­elle Mehr­be­darfe z.B. bei Merk­zei­chen „G“ im Schwer­be­hin­der­ten­aus­weis oder bei notwen­diger Kran­ken­kost
4. einma­lige Beihilfen zum Beispiel für die Anschaf­fung von ortho­pä­di­schen Schuhen oder thera­peu­ti­schen Geräten
5. die Über­nahme von Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rungs­bei­trägen, Zusatz­bei­trägen und Vorsor­ge­bei­träge, wenn keine gesetz­liche Kran­ken­ver­si­che­rung besteht

Ist das Einkommen geringer als der monat­liche Bedarf, so erhalten Sie den Diffe­renz­be­trag.


Muster­be­rech­nung
:

Frau Schmidt, allein­ste­hend, 82 Jahre
Ihre monat­liche Netto­rente ist 400 Euro
Die monat­li­chen Ausgaben an Miete und Neben­kosten sind 350 Euro plus 40 Euro Heiz­kosten

Der Regel­satz für Allein­ste­hende: 416 Euro
Miete/Nebenkosten: 350 Euro
Heiz­kosten: 40 Euro

Somit besteht ein monat­li­cher Gesamt­be­darf von 806 Euro. Abzüg­lich ihrer Rente hat sie einen Bedarf von 406 Euro, die ihr als Grund­si­che­rung über­wiesen werden.Da Frau Schmidt unter einer chro­ni­schen Durch­fall­erkran­kung leidet, erhält sie zusätz­lich jeden Monat ca. 83 Euro für eine gluten­freie Ernäh­rung.

Als Faust­regel gilt: Wenn Ihr gesamtes monat­li­ches Einkommen unter ca. 840 Euro liegt, sollten Sie prüfen lassen, ob Sie einen Anspruch auf Grund­si­che­rung haben.

TIPP: Lassen Sie sich mit dem Leis­tungs­be­scheid vom Sozi­alamt von der Rund­funk­bei­trags­pflicht befreien. Anträge online unter www.rundfunkbeitrag.de bei Gemein­de­ver­wal­tungen oder: ARD ZDF Deutsch­land­radio, Beitrags­ser­vice, 50656 Köln.
Bei Ihrer Kran­ken­kasse können Sie eine Frei­stel­lung von Zuzah­lungen für Medi­ka­mente oder Verord­nungen bean­tragen.


KÖNNEN SIE IN IHRER WOHNUNG BLEIBEN?


Miet­woh­nung
:
Ja, solange die Wohnung von den Miet­kosten und der Größe her ange­messen ist. Als Richt­schnur gelten etwa 50 Quadrat­meter für eine Person.
Falls Ihre Wohnung als unan­ge­messen gilt, kann zum Umzug aufge­for­dert werden oder die Zahlungen gekürzt werden. Aller­dings muss ein Umzug für Sie zumutbar sein. Ist dies nicht der Fall, kann das Sozi­alamt auch dauer­haft höhere Miet­kosten aner­kennen.

Hinweis: Grund­si­che­rung und der Bezug von Wohn­geld schließen sich aus, da bei der Berech­nung der Grund­si­che­rung die Unter­kunfts­kosten bereits berück­sich­tigt sind.

Eigentum:
Ja, auch hier gilt das Prinzip der ange­mes­senen Größe. Bei einer Wohnung sind dies etwa 120 Quadrat­meter, bei einem Haus etwa 130. Neben­kosten wie Wasser- oder Müll­ge­bühren können geltend gemacht werden.


WO KÖNNEN SIE DIE GRUNDSICHERUNG BEANTRAGEN?


Den Antrag auf Grund­si­che­rung im Alter stellen Sie beim örtli­chen Sozi­alamt – die Adressen der Ämter in Nürn­berg, Fürth und Erlangen sehen Sie am Ende des Beitrags.

Sie können den Antrag auch bei Ihrem Renten­ver­si­che­rungs­träger stellen, der ihn dann an die zustän­dige Stelle weiter­leitet. Bei Renten bis zur Zeit 838 Euro liegt dem Renten­be­scheid bereits ein Antrags­for­mular bei.

Grund­si­che­rung wird erst ab der Antrag­stel­lung bewil­ligt und nicht rück­wir­kend bezahlt. Üblich ist die Bewil­li­gung für 12 Kalen­der­mo­nate. Sind Sie mit dem Bescheid des Sozi­al­amtes nicht einver­standen, können Sie inner­halb von vier Wochen einen Wider­spruch einlegen.


Scheuen Sie sich bei Bedürftigkeit nicht davor, einen Antrag auf Grundsicherung zu stellen. Das ist Ihr gutes Recht!


Weitere Infor­ma­tionen erhalten Sie bei den zustän­digen Sozi­al­äm­tern oder bei der Deut­schen Renten­ver­si­che­rung.

Tele­fo­nisch unter dem kosten­losen Service­te­lefon: 0800 1000 4800

Im Internet unter www.deutsche-rentenversicherung.de > Services > Broschüren und mehr
Dort finden Sie viele Vordrucke und Broschüren zum herun­ter­laden oder bestellen.

Die Grund­si­che­rung: Hilfe für Rentner

Stand 01.01.2018

Oder im persön­li­chen Gespräch bei den Bera­tungs­stellen. Die nächst­ge­le­gene Stelle finden Sie im Internet oder erfragen Sie am Service­te­lefon.



Amt für Existenzsicherung und soziale Integration

Wirt­schaft­liche Hilfen
Frau­entor­graben 17, 90443 Nürn­berg, Telefon: 0911 – 231 – 5513
www.nuernberg.de

Amt für Soziales, Wohnen und Seniorenangelegenheiten

Königs­platz 2, 90762 Fürth, Telefon 0911 – 974 1837
www.fuerth.de 

Sozialamt der Stadt Erlangen

Rathaus­platz 1, 4.OG, 91052 Erlangen, Telefon 09131 – 862311
www.erlangen.de