Die Geriatrische Rehabilitation – 10 häufige Fragen

Von 22. Januar 2018 März 7th, 2018 Unkategorisiert


Einige Jahre arbei­tete ich in einer ortho­pä­di­schen Klinik in Nürn­berg. Viele unserer Pati­enten wurden dort wegen Knie- oder Hüft­ope­ra­tionen behan­delt. Häufig waren auch Stürze die Gründe für eine Einwei­sung. Die Verweil­dauer in den Kran­ken­häu­sern verkürzte sich in den letzten Jahren immer mehr, sehr zum Nach­teil beson­ders für die älteren Pati­enten. Im höheren Lebens­alter brau­chen Körper und Seele mehr Zeit für die Rege­ne­ra­tion – auch die eigen­stän­dige Versor­gung zu Hause ist nach der Klinik­ent­las­sung meist noch nicht möglich. Der Gesetz­geber hat dies erkannt und deshalb seit 2007 die Möglich­keit der „Geria­tri­schen Reha­bi­li­ta­tion“ geschaffen. Aber nicht nur direkt nach einer Opera­tion ist dies sinn­voll. Gerade ältere Menschen haben in der Regel mehrere Erkran­kungen, die den weiteren Verbleib im eigenen Zuhause erschweren oder nicht mehr möglich machen. Deshalb ist die Geria­tri­sche Reha­bi­li­ta­tion eine gute Möglich­keit, die Selb­stän­dig­keit im häus­li­chen Umfeld zu erhalten.

In diesem Beitrag beant­worte ich Ihnen die Fragen, die mir in der Klinik von Pati­enten und Ange­hö­rigen oft gestellt wurden:


#1
Was versteht man unter einer Geriatrischen Rehabilitation?

Die geria­tri­sche Reha ist eine Sonder­form der medi­zi­ni­schen Reha. Bei letz­terer liegt meist eine bestimmte Diagnose vor. So schließt sich nach einem Schlag­an­fall meist die neuro­lo­gi­sche Reha an, bei einer Knie­ope­ra­tion ist es die ortho­pä­di­sche. Bei der geria­tri­schen Reha steht jedoch keine spezi­elle Erkran­kung im Vorder­grund. Viel­mehr wird der einge­schränkte Gesamt­zu­stand des Pati­enten berück­sich­tigt.

Beschwerden z.B. durch Herz-Kreis­lauf-Erkran­kungen, Parkinson oder Gelenk­ver­schleiß können deshalb als Grund für eine geria­tri­sche Reha reichen – auch ohne einen akuten Anlass, wie zum Beispiel eine Opera­tion. Zusätz­lich zur Behand­lung von konkreten Gesund­heits­pro­blemen werden Pati­enten in einer geria­tri­schen Reha umfas­send betreut und trai­niert. Auch die Ange­hö­rigen werden dabei mitein­be­zogen und Hilfen für die Zeit nach der Entlas­sung orga­ni­siert.


#2
Was sind die Ziele dieser Behandlungen?

Ziel einer geria­tri­schen Behand­lung ist es, die Fähig­keiten der Pati­enten zu trai­nieren, so dass sie wieder in ihrem Alltag möglichst selb­ständig zurecht­kommen. Sie soll eine Behin­de­rung oder Pfle­ge­be­dürf­tig­keit abwenden oder weitere Verschlim­me­rungen vermeiden. Die Geset­zes­vor­gabe lautet „Reha vor Pflege“. Beson­ders wird darauf geachtet, dass der Patient sich nach der Reha ohne fremde Hilfe wieder waschen, anziehen und selb­ständig essen kann.


#3
Welche Formen der Geriatrischen Rehabilitation sind möglich?

In der Regel erfolgt die Reha stationär, also in einer Klinik oder einem Reha-Zentrum.

Wenn möglich, suchen Sie sich eine Klinik in der Nähe Ihres Wohn­ortes. Dadurch können Ihre Ange­hö­rigen mit einbe­zogen werden – insbe­son­dere bei Fragen der Nach­ver­sor­gung. Leider entspricht das momen­tane Angebot an geria­tri­schen Reha-Plätzen nicht der Nach­frage – oft macht dies eine Über­brü­ckung zuhause oder in einem Pfle­ge­heim erfor­der­lich. Dies betrifft beson­ders die Reha­maß­nahme als Anschluss­heil­be­hand­lung nach einem Kran­ken­haus­auf­ent­halt.

Auch eine ambu­lante Reha ist möglich, sollte aber gut über­legt sein. Bei einer ambu­lanten oder teil­sta­tio­nären Reha werden Sie morgens von einem Fahr­dienst abge­holt, erhalten während des Tages verschie­dene Anwen­dungen und eine ausrei­chende Verpfle­gung und werden nach­mit­tags wieder nach Hause gebracht. Am Wochen­ende sind meist keine Behand­lungen. Der Tages­ab­lauf einer Reha ist sehr anstren­gend, oft kommt dann noch eine längere Fahrt­zeit hinzu. Manchmal kann die ambu­lante Reha dennoch eine gute Lösung sein, wenn beson­dere Umstände im privaten Umfeld vorliegen. Die häus­liche Versor­gung sollte in diesem Fall jedoch sicher­ge­stellt sein.

Die mobile geria­tri­sche Reha ist eine Sonder­form der ambu­lanten geria­tri­schen Reha und wird durch ein inter­dis­zi­pli­näres Team in der häus­li­chen Umge­bung erbracht. Diese Therapie hat noch Modell­cha­rakter und wird deshalb noch selten ange­boten.


#4
Wer hat Anspruch auf eine Geriatrische Rehabilitation?

Ein höheres Lebens­alter (die Richt­linie ist: ab 70 Jahren), die Zustim­mung des Pati­enten zur Reha und das Vorliegen von verschie­denen alters­be­dingten Krank­heits­bil­dern sind die Voraus­set­zungen.

Bei hoch­alt­rigen Menschen genügt meist eine schwere Krank­heit. Im Unter­schied zu einer normalen medi­zi­ni­schen Reha steht diese Behand­lungs­form auch pfle­ge­be­dürf­tigen Menschen offen, d.h. Menschen mit einer Pfle­ge­ein­stu­fung.

Aller­dings: die Pati­enten müssen reha­fähig sein, so ist es z.B. frag­lich, ob ein schwer demenz­er­krankter Mensch bei den Thera­pien ausrei­chend mitar­beiten kann.


#5
Wer stellt den Antrag?

Beim Aufent­halt in einem Kran­ken­haus sind es der Sozi­al­dienst und die Klinik­ärzte. Auch ein nieder­ge­las­sener Arzt kann den Antrag stellen, darin sollte ausdrück­lich „Geria­tri­sche Reha“ stehen. Achten Sie darauf, dass alle Ihre – für die Geria­trie typi­schen – Erkran­kungen (z.B. Sturz­nei­gung, Schwindel, kogni­tive Einschrän­kungen, Gebrech­lich­keit, Inkon­ti­nenz, Schwer­hö­rig­keit, Immo­bi­lität) aufge­führt sind sowie eine posi­tive Prognose für den Erfolg dieser Behand­lungen.

Was kann ich tun, wenn die Kran­ken­kasse meinen Antrag ablehnt?

Oft werden Anträge auf eine geria­tri­sche Reha abge­lehnt, da diese vergleich­weise teuer ist. Teil­weise werden die Pati­enten dann in eine güns­ti­gere Reha, z.B. eine normale ortho­pä­di­sche Reha umge­lenkt. Für diese Art der Reha ist jedoch eine ausrei­chende Selbst­stän­dig­keit notwendig, die ein älterer Patient oft nicht hat. Das Pfle­ge­per­sonal hilft nur im Ausnah­me­fall beim Waschen und Ankleiden oder unter­stützt beim Zurecht­finden in der Einrich­tung.

Legen Sie im Falle der Ableh­nung einen Wider­spruch ein und holen sich dafür Unter­stüt­zung vom behan­delnden Arzt oder dem Sozi­al­dienst der Akut­klinik. Als Mitglied des VdK können Sie sich auch dort beraten lassen.


#6
Welche Kosten habe ich zu übernehmen?

Die Geria­tri­sche Reha ist eine Leis­tung der Kran­ken­kassen. Die Zuzah­lung beträgt 10 Euro täglich bei ambu­lanter und bei statio­närer Reha, begrenzt auf maximal 28 Tage im Kalen­der­jahr. Hatten Sie bereits Zahlungen während eines statio­nären Klinik­auf­ent­halts geleistet, verrin­gert sich der Betrag dementspre­chend. Für Pati­enten, die von ihrer gesetz­li­chen Kran­ken­kasse von Zuzah­lungen befreit sind, entstehen keine Kosten.

Für Privat­zahler: der Tages­satz in der Reha-Klinik beträgt zur Zeit etwa 175 Euro für eine statio­näre und ca. 140 Euro für eine ambu­lante Maßnahme.


#7
Wie lange dauert die Geriatrische Rehabilitation?

Die Kran­ken­kasse bezahlt meist 15 – 21 Tage Reha, beim Vorliegen bestimmter Gründe kann diese Zeit verlän­gert werden. Aller­dings muss dies erneut von der Kran­ken­kasse geneh­migt werden.


#8
Wer bietet geriatrische Reha-Behandlungen an?

Oft haben Kran­ken­häuser eine eigene geria­tri­sche Abtei­lung, teil­weise sind es auch eigen­stän­dige Geria­trie­kli­niken. Geria­tri­sche Fach­ärzte beschäf­tigen sich zusätz­lich zu den übli­chen ärzt­li­chen Behand­lungs­me­thoden auch mit Unter­su­chungen speziell für den älteren Pati­enten. Hierbei sollen die alters­ty­pi­schen Mehr­fa­ch­erkran­kungen, die körper­li­chen Einschrän­kungen und die mentalen und psychi­schen Probleme erkannt und bei der Therapie berück­sich­tigt werden.

Möchten Sie in eine bestimmte Klinik, sollte das bereits im Antrag fest­ge­halten werden. Die Kran­ken­kassen müssen Ihrem Wunsch aber nicht immer entspre­chen. Geria­tri­sche Pati­enten werden meist in eine Klinik am Wohnort einge­wiesen, da ein langer Trans­port zu belas­tend wäre und auch die Ange­hö­rigen mit einge­bunden werden sollen.

In vielen geria­tri­schen Kliniken werden über­wie­gend Doppel­zimmer ange­boten. Lassen Sie es ausdrück­lich vermerken, wenn Sie ein Einzel­zimmer wünschen. Teil­weise ist dafür ein happiger Zuschlag zu entrichten.


#9
Was packe ich für die Rehamaßnahme ein?

Für die geria­tri­sche Reha empfiehlt sich das Mitnehmen von bequemen Schuhen mit Fersen­halt. Diese sind für die Durch­füh­rung von Gehtrai­ning und anderen physio­the­ra­peu­ti­schen Übungen hilf­reich. Die Beklei­dung sollte locker und bequem sein und Sie bei Bewe­gungen nicht einschränken. Das Kran­ken­haus Martha-Maria bietet eine Check­liste zum Ausdru­cken (siehe unten).


#10
Wie verläuft eine Geriatrische Rehabilitation?

Am Aufnah­metag erfolgt die genaue Einschät­zung des Pati­enten durch ein Team aus verschie­denen Fach­rich­tungen. Wie sind der Gleich­ge­wichts­sinn und die Gehfä­hig­keit? Wie sind die Merk­fä­hig­keit und Sprache des Pati­enten ausge­prägt? Bekommt der Patient Hilfen in seinem sozialen Umfeld? Anschlie­ßend wird ein indi­vi­du­eller Behand­lungs­plan erstellt. Dieser kann enthalten:

  • Kran­ken­gym­nastik, Bewe­gungs- und Ergo­the­rapie, event. Logo­pädie
  • eine akti­vie­rend-thera­peu­ti­sche Versor­gung durch die Pfle­ge­kräfte
  • (neuro-)psychologische oder psycho­the­ra­peu­ti­sche Behand­lung
  • soziale Bera­tung durch den Sozi­al­dienst
  • Ernäh­rungs­be­ra­tung
  • regel­mä­ßige ärzt­liche Diagnostik und Behand­lungen

Behand­lungen werden in Einzel- und Grup­pen­the­ra­pien durch­ge­führt. Beson­dere Aufmerk­sam­keit gilt dem Aufbau und Stär­kung von Mobi­lität. Stürze sind eine typi­sche Alters­er­schei­nung und oft die Ursache für einen Umzug ins Heim.

Vor der Entlas­sung findet ein Gespräch mit dem Sozi­al­dienst statt zur Klärung der weiteren Versor­gung.


 Eine geria­tri­sche Reha ist für viele ältere Pati­enten eine gute Möglich­keit für ein möglichst selb­stän­diges Leben so lange wie möglich. Am besten zuhause und nur mit wenig pfle­ge­ri­scher Unter­stüt­zung. Auch wenn die Bean­tra­gung manchmal viel Eigen­in­itia­tive und einen langen Atem erfor­dert: Nutzen Sie diese Chance für eine erhöhte Lebens­qualität!



Geria­tri­sche Kliniken in der Metro­pol­re­gion Nürn­berg


Erlangen

» Wald­kran­ken­haus St. Marien – Geria­trie-Zentrum Erlangen, Raths­berger Straße 57, 91054 Erlangen, Tel. 09131 – 822 3702

Herzo­gen­au­rach

» m&i Fach­klinik Herzo­gen­au­rach – statio­näre geria­tri­sche Reha­bi­li­ta­tion, In der Reuth 1, 91074 Herzo­gen­au­rach, Tel. 09132 – 830


Fürth

» Geria­tri­sche Reha­bi­li­ta­tion – Klinikum Fürth, Jakob-Henle-Straße 1, 90766 Fürth, Tel. 0911 – 7580 1709

Was kommt in den Reha-Koffer?

Check­liste von der Geria­tri­schen Klinik Martha-Maria, Nbg. check­liste-martha-maria-geria­tri­sche-klinik