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Die Geriatrische Rehabilitation – 10 häufige Fragen

Von 22. Januar 2018November 6th, 2021Unkategorisiert


Einige Jahre arbeitete ich in einer orthopädischen Klinik in Nürnberg. Viele unserer Patienten wurden dort wegen Knie- oder Hüftoperationen behandelt. Häufig waren auch Stürze die Gründe für eine Einweisung. Die Verweildauer in den Krankenhäusern verkürzte sich in den letzten Jahren immer mehr, sehr zum Nachteil besonders für die älteren Patienten. Im höheren Lebensalter brauchen Körper und Seele mehr Zeit für die Regeneration – auch die eigenständige Versorgung zu Hause ist nach der Klinikentlassung meist noch nicht möglich. Der Gesetzgeber hat dies erkannt und deshalb seit 2007 die Möglichkeit der „Geriatrischen Rehabilitation“ geschaffen.

Aber nicht nur direkt nach einer Operation ist dies sinnvoll. Gerade ältere Menschen haben in der Regel mehrere Erkrankungen, die den weiteren Verbleib im eigenen Zuhause erschweren oder nicht mehr möglich machen. Deshalb ist die Geriatrische Rehabilitation eine gute Möglichkeit, die Selbständigkeit im häuslichen Umfeld zu erhalten.

In diesem Beitrag beantworte ich Ihnen die Fragen, die mir in der Klinik von Patienten und Angehörigen oft gestellt wurden:

 


1. Was versteht man unter einer Geriatrischen Rehabilitation?

Die geriatrische Reha ist eine Sonderform der medizinischen Reha. Bei letzterer liegt meist eine bestimmte Diagnose vor. So schließt sich nach einem Schlaganfall meist die neurologische Reha an, bei einer Knieoperation ist es die orthopädische. Bei der geriatrischen Reha steht jedoch keine spezielle Erkrankung im Vordergrund. Vielmehr wird der eingeschränkte Gesamtzustand des Patienten berücksichtigt.

Beschwerden z.B. durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Parkinson oder Gelenkverschleiß können deshalb als Grund für eine geriatrische Reha reichen – auch ohne einen akuten Anlass, wie zum Beispiel eine Operation. Zusätzlich zur Behandlung von konkreten Gesundheitsproblemen werden Patienten in einer geriatrischen Reha umfassend betreut und trainiert. Auch die Angehörigen werden dabei mit einbezogen und Hilfen für die Zeit nach der Entlassung organisiert.

 


2. Was sind die Ziele dieser Behandlungen?

Ziel einer geriatrischen Behandlung ist es, die Fähigkeiten der Patienten zu trainieren,  so dass sie wieder in ihrem Alltag möglichst selbständig zurechtkommen. Sie soll eine Behinderung oder Pflegebedürftigkeit abwenden oder weitere Verschlimmerungen vermeiden. Die Gesetzesvorgabe lautet „Reha vor Pflege“. Besonders wird darauf geachtet, dass der Patient sich nach der Reha ohne fremde Hilfe wieder waschen, anziehen und selbständig essen kann.

 

3. Welche Formen der Geriatrischen Rehabilitation sind möglich?

In der Regel erfolgt die Reha stationär, also in einer Klinik oder einem Reha-Zentrum.

Wenn möglich, suchen Sie sich eine Klinik in der Nähe Ihres Wohnortes. Dadurch können Ihre Angehörigen mit einbezogen werden – insbesondere bei Fragen der Nachversorgung. Leider entspricht das momentane Angebot an geriatrischen Reha-Plätzen nicht der Nachfrage – oft macht dies eine Überbrückung zuhause oder in einem Pflegeheim erforderlich. Dies betrifft besonders die Rehamaßnahme als Anschlussheilbehandlung nach einem Krankenhausaufenthalt.

Auch eine ambulante Reha ist möglich, sollte aber gut überlegt sein. Bei einer ambulanten oder teilstationären Reha werden Sie morgens von einem Fahrdienst abgeholt, erhalten während des Tages verschiedene Anwendungen und eine ausreichende Verpflegung und werden nachmittags wieder nach Hause gebracht. Am Wochenende sind meist keine Behandlungen. Der Tagesablauf einer Reha ist sehr anstrengend, oft kommt dann noch eine längere Fahrtzeit hinzu. Manchmal kann die ambulante Reha dennoch eine gute Lösung sein, wenn besondere Umstände im privaten Umfeld vorliegen. Die häusliche Versorgung sollte in diesem Fall jedoch sichergestellt sein.

Die mobile geriatrische Reha ist eine Sonderform der ambulanten geriatrischen Reha und wird durch ein interdisziplinäres Team in der häuslichen Umgebung erbracht. Diese Therapie hat noch Modellcharakter und wird deshalb noch selten angeboten.

 


4. Wer hat Anspruch auf eine Geriatrische Rehabilitation?

Ein höheres Lebensalter (die Richtlinie ist: ab 70 Jahren), die Zustimmung des Patienten zur Reha und das Vorliegen von verschiedenen altersbedingten Krankheitsbildern sind die Voraussetzungen.

Bei hochaltrigen Menschen genügt meist eine schwere Krankheit. Im Unterschied zu einer normalen medizinischen Reha steht diese Behandlungsform auch pflegebedürftigen Menschen offen, d.h. Menschen mit einer Pflegeeinstufung.

Allerdings: die Patienten müssen rehafähig sein, so ist es z.B. fraglich, ob ein schwer demenzerkrankter Mensch bei den Therapien ausreichend mitarbeiten kann.

 


5. Wer stellt den Antrag?

Beim Aufenthalt in einem Krankenhaus sind es der Sozialdienst und die Klinikärzte. Auch ein niedergelassener Arzt kann den Antrag stellen, darin sollte ausdrücklich „Geriatrische Reha“ stehen. Achten Sie darauf, dass alle Ihre – für die Geriatrie typischen – Erkrankungen (z.B. Sturzneigung, Schwindel, kognitive Einschränkungen, Gebrechlichkeit, Inkontinenz, Schwerhörigkeit, Immobilität) aufgeführt sind sowie eine positive Prognose für den Erfolg dieser Behandlungen.

Was kann ich tun, wenn die Krankenkasse meinen Antrag ablehnt?

Oft werden Anträge auf eine geriatrische Reha abgelehnt, da diese vergleichweise teuer ist. Teilweise werden die Patienten  dann in eine günstigere Reha, z.B. eine normale orthopädische Reha umgelenkt. Für diese Art der Reha ist jedoch eine ausreichende Selbstständigkeit notwendig, die ein älterer Patient oft nicht hat. Das Pflegepersonal hilft nur im Ausnahmefall beim Waschen und Ankleiden oder unterstützt beim Zurechtfinden in der Einrichtung.

Legen Sie im Falle der Ablehnung einen Widerspruch ein und holen sich dafür Unterstützung vom behandelnden Arzt oder dem Sozialdienst der Akutklinik. Als Mitglied des VdK können Sie sich auch dort beraten lassen.

 


6. Welche Kosten habe ich zu übernehmen?

Die Geriatrische Reha ist eine Leistung der Krankenkassen. Die Zuzahlung beträgt 10 Euro täglich bei ambulanter und bei stationärer Reha, begrenzt auf maximal 28 Tage im Kalenderjahr. Hatten Sie bereits Zahlungen während eines stationären Klinikaufenthalts geleistet, verringert sich der Betrag dementsprechend. Für Patienten, die von ihrer gesetzlichen Krankenkasse von Zuzahlungen befreit sind, entstehen keine Kosten.

Für Privatzahler: der Tagessatz in der Reha-Klinik beträgt zur Zeit etwa 175 Euro für eine stationäre und ca. 140 Euro für eine ambulante Maßnahme.

 


7.  Wie lange dauert die Geriatrische Rehabilitation?

Die Krankenkasse bezahlt meist 15 – 21 Tage Reha, beim Vorliegen bestimmter Gründe kann diese Zeit verlängert werden. Allerdings muss dies erneut von der Krankenkasse genehmigt werden.

 


8. Wer bietet geriatrische Reha-Behandlungen an?

Oft haben Krankenhäuser eine eigene geriatrische Abteilung, teilweise sind es auch eigenständige Geriatriekliniken. Geriatrische Fachärzte beschäftigen sich zusätzlich zu den üblichen ärztlichen Behandlungsmethoden auch mit Untersuchungen speziell für den älteren Patienten. Hierbei sollen die alterstypischen Mehrfacherkrankungen, die körperlichen Einschränkungen und die mentalen und psychischen Probleme erkannt und bei der Therapie berücksichtigt werden.

Möchten Sie in eine bestimmte Klinik, sollte das bereits im Antrag festgehalten werden. Die Krankenkassen müssen Ihrem Wunsch aber nicht immer entsprechen. Geriatrische Patienten werden meist in eine Klinik am Wohnort eingewiesen, da ein langer Transport zu belastend wäre und auch die Angehörigen mit eingebunden werden sollen.

In vielen geriatrischen Kliniken werden überwiegend Doppelzimmer angeboten. Lassen Sie es ausdrücklich vermerken, wenn Sie ein Einzelzimmer wünschen. Teilweise ist dafür ein happiger Zuschlag zu entrichten.

 

 
9. Was packe ich für die Rehamaßnahme ein?

Für die geriatrische Reha empfiehlt sich das Mitnehmen von bequemen Schuhen mit Fersenhalt. Diese sind für die Durchführung von Gehtraining und anderen physiotherapeutischen Übungen hilfreich. Die Bekleidung sollte locker und bequem sein und Sie bei Bewegungen nicht einschränken. Das Krankenhaus Martha-Maria bietet eine Checkliste zum Ausdrucken (siehe unten).

 


10. Wie ist der Ablauf einer Geriatrischen Rehabilitation?

Am Aufnahmetag erfolgt die genaue Einschätzung des Patienten durch ein Team aus verschiedenen Fachrichtungen. Wie sind der Gleichgewichtssinn und die Gehfähigkeit? Wie sind die Merkfähigkeit und Sprache des Patienten ausgeprägt? Bekommt der Patient Hilfen in seinem sozialen Umfeld? Anschließend wird ein individueller Behandlungsplan erstellt. Dieser kann enthalten:

  • Krankengymnastik, Bewegungs- und Ergotherapie, event. Logopädie
  • eine aktivierend-therapeutische Versorgung durch die Pflegekräfte
  • (neuro-)psychologische oder psychotherapeutische Behandlung
  • soziale Beratung durch den Sozialdienst
  • Ernährungsberatung
  • regelmäßige ärztliche Diagnostik und Behandlungen

Behandlungen werden in Einzel- und Gruppentherapien durchgeführt. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Aufbau und Stärkung von Mobilität. Stürze sind eine typische Alterserscheinung und oft die Ursache für einen Umzug ins Heim.

Vor der Entlassung findet ein Gespräch mit dem Sozialdienst statt zur Klärung der weiteren Versorgung.

 


⇒ Eine geriatrische Reha ist für viele ältere Patienten eine gute Möglichkeit für ein möglichst selbständiges Leben so lange wie möglich. Am besten zuhause und nur mit wenig pflegerischer Unterstützung. Auch wenn die Beantragung manchmal viel Eigeninitiative und einen langen Atem erfordert: Nutzen Sie diese Chance für eine erhöhte Lebensqualität!

 


 


Geriatrische Kliniken in der Metropolregion Nürnberg


Erlangen

» Waldkrankenhaus St. Marien – Geriatrie-Zentrum Erlangen, Rathsberger Straße 57, 91054 Erlangen,
Tel. 09131 – 822 3702

Herzogenaurach

» m&i Fachklinik Herzogenaurach – stationäre geriatrische Rehabilitation, In der Reuth 1, 91074 Herzogenaurach,
Tel. 09132 – 830

Fürth

» Geriatrische Rehabilitation – Klinikum Fürth, Jakob-Henle-Straße 1, 90766 Fürth,
Tel. 0911 – 7580 1709