Das Hausnotrufsystem – schnelle Hilfe auf Knopfdruck.

Von 3. Februar 2018 Februar 21st, 2018 Allgemein


Es kann so schnell passieren. Laut Statistik stürzt jeder dritte Mensch ab 65 Jahren einmal im Jahr. Stellen Sie sich vor, es ist Ihnen passiert und Sie kommen nicht zum Telefon. Was nun?

Viele ältere Menschen leben allein in ihrem Zuhause. Oft leiden sie unter chro­ni­schen Krank­heiten oder sind sturz­ge­fährdet. In Deutsch­land gibt es schät­zungs­weise 750.000 Haus­halte, die ein Haus­not­ruf­system instal­liert haben. Dieser ermög­licht umge­hende Hilfe in einer Notsi­tua­tion. Viel­leicht haben Sie darüber nach­ge­dacht, sich einen Haus­notruf instal­lieren zu lassen. Ich werde Ihnen in diesem Beitrag die wich­tigsten Infor­ma­tionen zu diesem Thema geben.

#1 Wie funktioniert ein Hausnotrufsystem?

Drei Möglich­keiten stehen zur Auswahl:

a. Ein fester Hausnotruf

Ein Notruf­system besteht aus zwei Geräten: einem Notrufsender und einer Basis­sta­tion. Die Basis­sta­tion ist nicht viel größer als ein normales Telefon. Der Notruf wird über einen Funk­sender ausge­löst, den der Nutzer als Hals­kette, Armband oder als Clip am Hosen­bund trägt. In der Regel sind die Geräte wasser­fest und sollten deshalb auch beim Baden und Duschen getragen werden.

Das Notruf­gerät hat meist eine Frei­sprech­an­lage und ist am Fest­netz­te­lefon ange­schlossen, benö­tigt wird dafür ein normaler Tele­fon­an­schluss (mit einer drei­fach-TAE-Dose) und eine freie Steck­dose für die Strom­ver­sor­gung der Basis­sta­tion. Die Frei­sprech­an­lage funk­tio­niert über mehrere Räume hinweg. Lassen Sie bitte testen, ob dies in Ihrer Wohnung der Fall ist.

Alle Notruf­ge­räte sind durch einen Akku bei einem even­tu­ellen Strom­aus­fall von 10 – 20 Stunden geschützt. Wenn 80 % der Leis­tung des Funk­sen­ders verbraucht ist, infor­miert ein Fern­aus­löser selb­ständig die Haus­not­ruf­zen­trale, die den Batte­rie­wechsel veran­lasst.

Bei digi­taler Tele­fon­nut­zung wird der Notruf über den WLAN-Router vermit­telt.

Übli­cher­weise wird der Notruf durch das Drücken einer Taste ausge­löst. Mitt­ler­weile gibt es z.B. für sturz­ge­fähr­dete Menschen auch andere Auslö­se­arten. Dazu gehören die Meldung durch einen Fall­sensor, Rauch­melder oder einem Bewe­gungs­melder.

Meist ermög­li­chen die Haus­not­ruf­sys­teme eine direkte Kontakt­auf­nahme mit der Notruf­zen­trale, die rund um die Uhr besetzt ist. Manche Geräte können auch von sich aus Hilfe akti­vieren, wenn der Nutzer eine Taste nicht zu bestimmten Zeiten betä­tigt hat. Dann versucht die Zentrale mit ihm Kontakt aufzu­nehmen. Ist dies nicht möglich, werden die Rettungs­leit­stelle, Ange­hö­rige oder Nach­barn benach­rich­tigt.

Es gibt auch die Möglich­keit, dass beim Auslösen des Knopfes nicht die Notruf­zen­trale verstän­digt wird, sondern es werden auto­ma­tisch bis zu 10 gespei­cherte Notruf­num­mern (z.B. von Nach­barn, Ange­hö­rigen) ange­rufen. Dieses System wählt so lange, bis jemand ans Telefon geht. Kann der Betrof­fene nicht mehr reden, wird auto­ma­tisch der Name des Anru­fers genannt.

b. Mobilfunk-Hausnotrufgerät (GSM)

Dieses Gerät eignet sich für Menschen, die keinen Fest­netz­an­schluss in ihrer Wohnung haben oder als zusätz­liche Instal­la­tion in Räumen, die nicht über das Fest­netz erreicht werden können. Es besteht aus einer Basis­sta­tion und einem Funk­finger und ist mit einer Mobil­funk­karte ausge­stattet – ein Notruf wird über das Mobil­funk­netz vermit­telt.

Sie brau­chen für dieses System ledig­lich einen Strom­an­schluss, die Bereit­stel­lung der Tele­kom­mu­ni­ka­tion kostet etwa €80.-.

c. Ein mobiler „Haus“notruf

Immer beliebter wurden in den letzten Jahren die mobilen Notruf­sys­teme. Beson­ders inter­es­sant ist dies für Senioren, die gerne unter­wegs sind. Sollten Sie z.B. einen Schwä­che­an­fall bei einem Wald­spa­zier­gang erleiden, können Sie schnell per GPS geortet werden.

Lassen Sie jedoch bitte genau prüfen, ob Ihr momen­tanes Handy mit dem Notruf­dienst kompa­tibel ist.


#2
Was passiert in einem Notfall?

Beispiel:

  • Frau Schmidt ist im Bade­zimmer gestürzt und kann aus eigener Kraft nicht mehr aufstehen.
  • Sie drückt den Knopf auf ihrem Notruf­arm­band. Die Basis­sta­tion erhält per Funk das Signal und verbindet mit der Notruf­zen­trale.
  • Die Basis­sta­tion stellt den Sprech­kon­takt zu Frau Schmidt über die Frei­sprech­funk­tion her.
  • Der Mitar­beiter fragt Frau Schmidt, ob sie Schmerzen habe und was passiert sei. Auf dem Bild­schirm sieht er die hinter­legten Daten von ihr. Medi­ka­mente, Adresse, Gesund­heits­zu­stand und Kontakt­daten von Ange­hö­rigen, Pfle­ge­dienst oder Nach­barn.
  • Da Frau Schmidt über starke Schmerzen klagt, alar­miert der Mitar­beiter sofort den Rettungs­dienst, der inner­halb kurzer Zeit bei Frau Schmidt eintrifft. In einer weniger drin­genden Situa­tion werden die Bezugs­per­sonen, der Haus­arzt oder der Pfle­ge­dienst verstän­digt. Einige Anbieter haben einen eigenen Bereit­schafts­dienst, der in solchen Situa­tionen vorbei­kommen würde.

Der persön­liche Kontakt mit der Notruf­zen­trale gibt den Betrof­fenen ein beru­hi­gendes Gefühl der Sicher­heit und sie geraten dadurch weniger selten in Panik.

Was passiert, wenn der Nutzer verse­hent­lich einen Notruf auslöst?

Das passiert häufig. Die Notruf­zen­trale ist darauf einge­stellt und veran­lasst keine weiteren Maßnahmen.


#3
Für wen empfiehlt sich ein Hausnotrufsystem?

  • Neigen Sie zu Schwin­del­an­fällen, hatten einen Herz­in­farkt oder Schlag­an­fall?
  • Ihre Augen oder Ihr Gehör lassen immer stärker nach.
  • Haben Sie Angst, zu stol­pern und sich etwas zu brechen?
  • Leiden unter einer chro­ni­schen Krank­heit, die einen schweren Anfall auslösen kann: z.B. Asthma, Epilepsie oder Diabetes?
  • Sie wohnen alleine bzw. sind lange Zeiten am Tag allein in der Wohnung.

Haben Sie häufiger zuge­stimmt, gibt ein Haus­not­ruf­dienst Ihnen vermut­lich mehr Sicher­heit und ermög­licht einen längeren Verbleib in Ihrer Wohnung. Er entlastet auch Ange­hö­rige, die sich oft Sorgen machen, ob ihre Eltern im Notfall schnell Hilfe bekommen würden.


#4
Was kostet ein Hausnotrufsystem?

Grund­sätz­lich wird eine Basis­ge­bühr erhoben, zwischen € 15,- bis € 40,- pro Monat. Weitere Kosten entstehen durch zusätz­liche Leis­tungen, die unter­schied­lich berechnet werden. Über­legen Sie sich, welche Eigen­schaften Ihr Haus­not­ruf­dienst haben soll und welche Sie nicht brau­chen. Hier lässt sich even­tuell Geld sparen.

a. Kosten mit Pflegegrad

Haben Sie einen Pfle­ge­grad und leben (über­wie­gend) alleine in Ihrer Wohnung, zahlen die Pfle­ge­kassen monat­lich € 18,36.- monat­lich plus etwa € 11,- für die Anschluss­kosten – ein Haus­notruf gehört zu den aner­kannten Pfle­ge­mit­teln. Eine ärzt­liche Verord­nung ist nicht notwendig. Es ist aller­dings eine „Kann-Leis­tung“, d.h. es wird geprüft, ob eine Notwen­dig­keit besteht. Stellen Sie den Antrag bei Ihrer Pfle­ge­kasse vor der Anschaf­fung des Gerätes. Liegt die monat­liche Pauschale Ihres Anbie­ters über dieser Summe, müssen Sie meist die Diffe­renz über­nehmen.

b. Kosten ohne Pflegegrad

Ohne einen Pfle­ge­grad gibt es keine Zuschüsse von Kranken- oder Pfle­ge­kassen. Sie können aller­dings die Kosten für den Haus­not­ruf­dienst von der Steuer absetzen, als haus­halts­nahe Dienst­leis­tung“. Bei Bedürf­tig­keit über­nimmt even­tuell das Sozi­alamt die Kosten.

Die monat­li­chen Kosten für einen mobilen Haus­not­ruf­dienst sind etwas höher als die Gebühren für den Notruf über das Fest­netz­te­lefon.


#5 Welche zusätzlichen Serviceleistungen bietet ein Hausnotrufsystem?

Notfall­schlüssel

Für den schnellen Zugang in Ihre Wohnung ist es sinn­voll, einen Ersatz­schlüssel verwahren zu lassen. Manche Anbieter nehmen bis zu € 90.- für einen Safe, der sich im Rettungs­wagen, beim Pfle­ge­dienst oder am Haus des Nutzers befindet. Die meisten gemein­nüt­zigen Vereine richten die Schlüs­sel­hin­ter­le­gung kosten­frei ein, dafür bezahlt man eine monat­liche Gebühr.

Einige Anbieter vermit­teln weitere profes­sio­nelle Dienste, z.B.:

  • Pfle­ge­dienste, Fahr­dienste, Essen auf Rädern
  • Weck­dienst; haus­wirt­schaft­liche Unter­stüt­zung
  • Beglei­tung bei Erle­di­gungen
  • Erin­ne­rung an Medi­ka­men­ten­ein­nahmen
  • Anschluss von Einbruch-, Feuer- oder Gasmelder


#6 Worauf sollten Sie beim Vertrag achten?

  • auf eine klare Über­sicht über Basis- und Zusatz­leis­tungen – zusätz­liche Leis­tungen passend für Ihre indi­vi­du­elle Situa­tion.
  • kosten­lose Wartung und even­tu­elle Repa­ratur sollten auch im Grund­paket enthalten sein.
  • Kündi­gungs­fristen von höchs­tens zwei Wochen zum Monats­ende
  • Monats­bei­träge nicht abbu­chen lassen, sondern per Dauer­auf­trag, Einzugs­er­mäch­ti­gung oder Über­wei­sung
  • keine zusätz­li­chen Kosten für die einzelnen Kontakte mit der Notruf­zen­trale


#7 Wer sind die Anbieter von Hausnotrufsystemen?

Viele gemein­nüt­zige Vereine, private und lokale Firmen bieten Haus­not­ruf­dienste an. Ein regio­naler Anbieter kann von Vorteil sein, da die Helfer schnell vor Ort sein können.

Eine Auswahl der Anbieter im Raum Mittel­franken:


»
Baye­ri­sches Rotes Kreuz

Kreis­ver­band Nürn­berg-Stadt, Sulz­ba­cher Straße 42, 90489 Nürn­berg

Ansprech­partner Dieter Goller: Tel. 0911 – 5301 – 267

E-Mail: dieter.goller@kvnuernberg-stadt.brk.de


» 
Johan­niter-Unfall-Hilfe e.V.

Regio­nal­ver­band Mittel­franken, Johan­ni­ter­straße 3, 90425 Nürn­berg

Service­nummer: 0800 0 19 14 14 (gebüh­ren­frei)

E-Mail: nuernberg@johanniter.de


» 
Malteser Hilfs­dienst gGmbH

Bezirks­ge­schäfts­stelle Nürn­berg, Hafen­straße 49, 90451 Nürn­berg

Service­nummer: 0800 99 66 007 (gebüh­ren­frei)

E-Mail: hausnotruf@malteser.org


» 
Arbeiter-Sama­riter-Bund

Kreis­ver­band Nürn­berg-Fürth e.V., Wodan­straße 25, 90461 Nürn­berg

Tel. 0911 – 949 79-66

E-Mail: info@asb-nuernberg.de

Lassen Sie sich am besten von mehreren Anbie­tern beraten und achten Sie darauf, dass Sie zu keiner Mitglied­schaft bei Wohl­fahrts­ver­bänden über­redet werden, falls Sie dies nicht wollen. Leider sind hier bisweilen schwarze Schafe unter­wegs. Die Mitar­beiter sollten sich sorg­fältig die Lage Ihrer Räume ansehen und sich nach Ihren fami­liären und gesund­heit­li­chen Lebens­um­ständen erkun­digen.

⇒ Ob pfle­ge­be­dürftig oder nur alters­be­dingt – ein Haus­not­ruf­system macht das Leben im eigenen Zuhause sorgen­freier und ist deshalb eine gute Anschaf­fung. Schnelle Hilfe rund um die Uhr zu über­schau­baren Kosten trägt zu einer erhöhten Lebens­qualität bei. Die Hand­ha­bung ist schnell erlernt, die Technik zuver­lässig. Nicht zuletzt durch die eigene Erfah­rung in meiner Familie kann ich dieses Hilfs­mittel wirk­lich sehr empfehlen.