Betreutes Wohnen – eine gute Wahl für mich?

Von 9. Januar 2018 März 2nd, 2018 Allgemein


Eigen­ständig zu wohnen aber im Notfall immer jemanden an der Hand zu haben, ist der Wunsch vieler älterer Menschen. Das Wohn­kon­zept „Betreutes Wohnen“ oder auch „Wohnen mit Service“ wird deshalb in Deutsch­land immer beliebter: es verbindet die Vorteile der eigenen Wohnung mit dem Komfort einer Senio­ren­ein­rich­tung.

Dabei ist jedoch zu beachten:

Der Begriff ist bis heute recht­lich nicht geschützt und es gibt dadurch keine Trans­pa­renz für die Ange­bote des Betreuten Wohnens.

Während Pfle­ge­heime dem Heim­ge­setz unter­liegen, sind für die Ausge­stal­tung der betreuten Wohn­an­ge­bote keine einheit­li­chen Stan­dards vorge­geben.

Daran sollten Sie denken, wenn Sie sich für diese Wohn­mög­lich­keit inter­es­sieren.

Die Unter­schiede zwischen den einzelnen Anbie­tern sind sehr groß. Der ange­bo­tene Service kann von einem einfa­chen Notruf­system bis zu einer 24 h Rund-um-Versor­gung gehen. Größe und Ausstat­tung der Wohnungen vari­ieren sehr. Über­legen Sie sich vorher genau, welche Leis­tungen Sie sich vom Betreuten Wohnen erwarten und glei­chen diese mit den jewei­ligen Ange­boten ab.

Grund­sätz­lich beinhaltet das Betreute Wohnen vier Leis­tungs­be­reiche:

#1 Bauliche Ausstattung und Wohnumfeld

barrie­re­freie Wohnung mit einem Haus­notruf-System in einem Wohn­um­feld, das die selb­stän­dige Versor­gung mit Produkten des tägli­chen Bedarfs ermög­licht. Ärzte, öffent­liche Verkehrs­mittel, Friseur oder Fußpflege sind einfach zu errei­chen.



#2
Angebot der Grundleistungen

Bera­tungs- und Infor­ma­ti­ons­dienste, Unter­stüt­zung beim Schrift­ver­kehr mit Versi­che­rungen und Verwal­tungen, Gemein­schafts­ak­ti­vi­täten, Mahl­zei­ten­an­ge­bote



#3
Wahlleistungen

Behörden- und Boten­gänge, Fahr- und Begleit­dienste, haus­wirt­schaft­liche Dienst­leis­tungen wie Reini­gung der Wohnung, Wäsche­pflege, Haus­meis­ter­ser­vice, Voll­pen­sion, ambu­lante Pfle­ge­leis­tungen,



#4
Vertragsgestaltung

Eine Wohnung mit Betreuung kann man entweder kaufen oder mieten. Beim Vertrag müssen Sie zwei Doku­mente unter­zeichnen: den Kauf- oder Miet­ver­trag sowie den Betreu­ungs­ver­trag.

Der Betreu­ungs­ver­trag sollte sich aus zwei Teilen zusam­men­setzen: eine monat­liche Pauschale für die Grund­leis­tungen und die Wahl­leis­tungen, die nach Bedarf hinzu gebucht werden können.

Achten Sie darauf, dass Sie keine Pauschal­an­ge­bote unter­zeichnen müssen, d.h. keine Koppe­lung von Miet­ver­trag und Wahl­leis­tungen. Sonst zahlen Sie monat­lich einen hohen Betrag für Leis­tungen, die Sie nicht in Anspruch genommen haben.

  • Sind alle Leis­tungen aufge­listet, die in den monat­li­chen Kosten enthalten sind? Sind die Preise für Zusatz­leis­tungen gut erkennbar? Muss eine Aufnah­me­ge­bühr oder eine Einmal­zah­lung geleistet werden?
  • Wie sind die Kündi­gungs­fristen? Wie gut sind Sie bei einem Miet­ver­hältnis gegen eine Kündi­gung wegen Eigen­be­darf geschützt? Viele Wohnungen in Anlagen des Betreuten Wohnens gehören Privat­per­sonen. Sie wurden oft als Vorsorge für das eigene Alter gekauft.
  • Lassen Sie sich eine schrift­liche Bestä­ti­gung darüber geben, bis zu welchem Pfle­ge­grad Sie in Ihrer Wohnung versorgt werden können. Welcher ambu­lante Dienst ist für die Pfle­ge­leis­tungen zuständig?

Einige Einrich­tungen des Betreuten Wohnens sind Pflege- oder Senio­ren­heimen ange­schlossen. Die Bewohner haben dadurch den Vorteil, dass sie im Falle einer Pfle­ge­be­dürf­tig­keit profes­sio­nelle Hilfe bekommen und ein Umzug nicht erfor­der­lich ist. Aller­dings kommen dann zusätz­liche hohe Kosten auf den Bewohner zu. Die Pfle­ge­kasse über­nimmt in dieser Situa­tion nur die antei­lige Summe für die ambu­lante Versor­gung. Bei einem höheren Pfle­ge­grad reicht dies nicht für eine umfas­sende Versor­gung. Betreutes Wohnen ist Privat­sache und die Kosten müssen selbst getragen werden.

Kalku­lieren Sie genau, ob Sie dafür die ausrei­chenden finan­zi­ellen Mittel zur Verfü­gung haben. Vor der endgül­tigen Entschei­dung empfehle ich eine träger­neu­trale und unab­hän­gige Bera­tung durch eine Wohn- oder Senio­ren­be­ra­tungs­stelle.




#5
Zu welchem Zeitpunkt sollte ein Umzug ins Betreute Wohnen erfolgen?

Natür­lich möchte jeder so lange wie möglich in seiner gewohnten vier Wänden bleiben. Erst wenn der Alltag allzu beschwer­lich wird, beschäf­tigen sich ältere Menschen mit dem Gedanken an einen Umzug. Ein recht­zei­tiger Umzug bietet jedoch die Chance, sich schnell im neuen Umfeld einzu­leben und sollte deshalb nicht zu lange hinaus­ge­schoben werden. Also nicht erst bei drohender Pfle­ge­be­dürf­tig­keit!

Beim Betreuten Wohnen liegt der Schwer­punkt auf der Eigen­stän­dig­keit der Bewohner. Betreu­ungs­leis­tungen sind nur als Unter­stüt­zung für eine möglichst lange Selb­stän­dig­keit gedacht. Manche Einrich­tungen nehmen aus diesem Grund nur ungern Bewohner mit einem bereits bestehenden Pfle­ge­grad auf.



#6
 Wie finden Sie eine geeignete Wohnung?

In vielen Kommunen gibt es Bera­tungs­stellen für Senioren mit einer Über­sicht über die vorhan­denen Ange­bote. In Mittel­franken finden sie diese z.B. in

»Infor­ma­tions- und Bera­tungs­stelle im Senio­renamt – Tel. 0911 – 231 66 57

Senio­ren­rat­haus im Heilig-Geist-Haus, Hans-Sachs-Platz 2, 90403 Nürn­berg

Dort finden Sie umfas­sendes Infor­ma­tions- und Prospekt­ma­te­rial sowie aktu­elle Verzeich­nisse der Ange­bote des Betreuten Wohnens in Mittel­franken.

»Fach­stelle für Senio­rinnen und Senioren – Tel. 0911 – 974 178

City-Center, Königs­straße 112, 90762 Fürth (1. Ober­ge­schoss)

»Senio­renamt der Stadt Erlangen – Tel. 09131 – 86 1853

Rathaus­platz, 91052 Erlangen

Für persön­liche Gespräche verein­baren Sie bitte tele­fo­nisch einen Termin.

Mein Tipp:

Viele Wohnungs­bau­ge­nos­sen­schaften bieten senio­ren­ge­rechte Miet­woh­nungen an.

Auch dort lohnt sich die Nach­frage. Handelt es sich dabei um öffent­lich geför­derten Wohn­raum, können sie dort mit einem Wohn­be­rech­ti­gungs­schein einziehen. Bei geringem Einkommen kann ein Antrag auf Wohn­geld gestellt werden.

Das Betreute Wohnen ist eine gute Lösung für ein selbst­be­stimmtes Leben in der eigenen Wohnung und trotzdem Hilfe und Unter­stüt­zung auf Abruf zu erhalten. Sie können von einem alters­ge­rechten Wohn­um­feld, vielen Dienst­leis­tungs­an­ge­boten und gemein­schaft­li­chen Akti­vi­täten profi­tieren. Bei einer sorg­fäl­tigen Entschei­dung für die rich­tige Wohnung bringt der Umzug sicher ein Plus an Lebens­qualität!



Für den Vergleich der verschie­denen Einrich­tungen habe ich Ihnen eine Check­liste zusam­men­ge­stellt, die Sie gerne verwenden können.

VIA NOVA – Check­liste-Betreutes-Wohnen

Auch auf der Inter­net­seite der BIVA (eine Inter­es­sens­ver­tre­tung von Menschen, die Hilfe oder Pflege benö­tigen) können Sie sich eine Check­liste zum Vergleich der verschie­denen Einrich­tungen des Betreuten Wohnens ausdru­cken.

www.biva.de/dokumente/broschueren/Checkliste_Betreutes_Wohnen.pdf