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Beruf und Pflege – habe ich Anspruch auf eine berufliche Auszeit?

Von 19. Februar 2018November 7th, 2021Unkategorisiert

Pflege und Beruf


Die eigene Berufstätigkeit mit der Pflege von Angehörigen zu vereinbaren, ist eine Herausforderung für immer mehr Menschen. Anders als bei der Betreuung von Kindern kann die Pflegesituation über Nacht entstehen. Plötzlich müssen Lösungen gefunden werden, die sowohl der pflegebedürftigen Person als auch den berufstätigen Angehörigen gerecht werden. Auch der Verlauf dieser Pflegebedürftigkeit lässt sich kaum abschätzen – sie kann über wenige Wochen oder über Jahre gehen und sich auch im Umfang jederzeit ändern. Eine große Aufgabe.

Das Thema Pflege betrifft nicht nur die Familien, sondern auch die Unternehmen. Sie müssen – wollen sie erfahrene Mitarbeiter nicht verlieren – Möglichkeiten schaffen, wie Beruf und Pflege unter einen Hut zu bekommen sind. Der Begriff „Pflege“ umfasst nicht nur die Versorgung von älteren Menschen sondern auch Angehörige, die aufgrund einer schweren Krankheit oder eines Unfalls pflegebedürftig sind. Fast die Hälfte der Personen, die sich zur Zeit um einen Angehörigen kümmern, stehen im Erwerbsleben.

Es sind nicht nur finanzielle Gründe, die beides erforderlich machen. Eine berufliche Tätigkeit ist für viele ein Ausgleich zu oft schwierigen Pflegesituationen. Hinzu kommt, dass aufgrund der zeitlichen Einschränkung die Kontakte zu Freunden weniger werden und die sozialen Kontakte zum Kollegenkreis dadurch wichtiger werden.

Zur besseren Vereinbarung von Beruf und Pflege hat der Gesetzgeber mit dem Pflegezeitgesetz und dem Familienpflegezeitgesetz einige Möglichkeiten für berufliche Auszeiten geschaffen, die ich Ihnen in diesem Beitrag vorstelle.

 


PFLEGEUNTERSTÜTZUNGSGELD

wird für Beschäftigte gezahlt, die kurzfristig in einer plötzlich aufgetretenen Pflegesituation eines nahen Angehörigen die Pflege organisieren müssen. Dafür können sie bis zu 10 Tagen der Arbeit fernbleiben (= kurzzeitige Arbeitsverhinderung).
Das Pflegeunterstützungsgeld als Lohnersatzleistung wird zeitnah bei der Pflegeversicherung der zu pflegenden Person beantragt – unter Vorlage eines ärztlichen Attestes. Bei einer akuten Pflegesituation handelt es sich nicht um eine krankheitsbedingte Betreuung eines Angehörigen! Wichtig ist, dass voraussichtlich einer der Pflegegrade 1 – 5 zuerkannt und der Arbeitgeber umgehend darüber informiert wird.

Als nahe Angehörige gelten nicht nur die Kinder, Eltern oder Großeltern, sondern auch u.a. Geschwister und Enkelkinder.

Die Höhe des Pflegeunterstützungsgeldes beträgt etwa 90 % des Nettoeinkommens. Beantragen auch noch andere Familienmitglieder dieses Pflegeunterstützungsgeld, ist dies zusammen auf insgesamt 10 Arbeitstage begrenzt.
Das Recht auf diesen Antrag haben alle Berufstätigen, unabhängig von der Größe ihres Unternehmens.


PFLEGEZEIT

Bis zu 6 Monaten können Sie eine Auszeit nehmen oder Teilzeit arbeiten, um ein Familienmitglied mit mindestens Pflegegrad 1 zu versorgen.
Dies müssen Sie Ihrem Arbeitgeber 10 Tage vorher schriftlich mitteilen und mit ihm eine Vereinbarung über Umfang und Dauer treffen. Der Arbeitgeber hat Ihre Wünschen nach der Verteilung der Arbeitszeit zu berücksichtigen, wenn keine wichtigen betrieblichen Gründe vorliegen.

Das Recht auf eine Pflegezeit haben Angestellte in Unternehmen mit mehr als 15 Mitarbeitern.
Möchten Sie früher als vereinbart wieder an Ihren Arbeitsplatz zurückkehren, geht dies nur mit Zustimmung Ihres Arbeitsgebers. Ausnahmen sind möglich, sollte eine stationäre Pflege erforderlich werden, der Pflegebedürftige stirbt oder Sie die Pflege aus gesundheitlichen Gründen nicht fortsetzen können.

 


FAMILIENPFLEGEZEIT

Wenn sechs Monate Pflegezeit nicht ausreichen, haben Beschäftigte einen Anspruch auf eine reduzierte Wochenarbeitszeit bis zu 24 Monate auf mindestens 15 Stunden. Die 15 Stunden müssen nur im Jahresdurchschnitt eingehalten werden, möglich sind also auch längere Arbeitseinheiten am Stück. Die Aufteilung soll sich nach den Bedürfnissen der Beschäftigten und der pflegenden Angehörigen richten. Nahe Angehörige können sich die Freistellungen auch teilen bzw. sie parallel oder hintereinander in Anspruch nehmen.

Das Recht auf eine Familienpflegezeit haben Angestellte in Unternehmen mit mehr als 25 Mitarbeitern – der Arbeitgeber muss acht Wochen vor Beginn darüber informiert werden.

 


BEGLEITUNG AM LEBENSENDE

Eine vollständige oder teilweise Freistellung von der Arbeit bis zu drei Monaten ist in der letzten Lebensphase zur Begleitung eines nahen Angehörigen möglich – auch ohne Pflegeeinstufung. Dies gilt auch dann, wenn der Angehörige nicht zuhause versorgt wird sondern im Hospiz.
Das Recht auf diese Freistellung haben Angestellte in Unternehmen mit mehr als 15 Mitarbeitern.


Hinweis:

Die Pflegezeit und die Familienpflegezeit können Sie auch miteinander kombinieren. Die Zeiträume müssen sich aber nahtlos anschließen und insgesamt nicht mehr als 24 Monate dauern. Während dieser Zeit besteht ein Kündigungsschutz, eine Kündigung ist nur in besonderen Ausnahmefällen möglich.

Auch Beamte und Beamtinnen können eine (Familien-)Pflegezeit nehmen.

 

 


WIE SIND SIE WÄHREND DER (FAMILIEN-)PFLEGEZEIT VERSICHERT?

Während einer (Familien-)Pflegezeit beziehen Sie kein oder nur ein reduziertes Gehalt.

Der Kranken- und Pflegeversicherungsschutz bleibt bestehen. Entweder über Ihren Partner als Familienmitglied oder Sie versichern sich freiwillig und zahlen dafür einen Mindestbeitrag. Auf Antrag erstatten die gesetzlichen und privaten Pflegeversicherungen diesen Beitrag. Sind Sie Mitglied in einer privaten Krankenversicherung, wird der Beitrag bis zur Höhe des Mindestbeitrags der gesetzlich Versicherten übernommen.

Das gleiche gilt für die Arbeitslosenversicherung, auch hier übernimmt die Pflegeversicherung auf Antrag die Beiträge. Voraussetzung ist, dass Sie bereits unmittelbar vor Aufnahme der Pflegetätigkeit versicherungspflichtig waren oder Anspruch auf Arbeitslosengeld hatten.

Pflegen Sie Ihren Angehörigen mindestens 10 Stunden in der Woche und sind nicht mehr als 30 Stunden wöchentlich berufstätig, sind Sie auch weiterhin rentenversichert. Voraussetzung ist mindestens der Pflegegrad 2. Die Rentenansprüche steigen mit der Höhe des Pflegegrades und können deshalb ein Niveau erreichen, das Sie bei einer Vollbeschäftigung hätten. Lassen Sie sich beim zuständigen Rentenversicherungsträger ausrechnen, wie sich die (Familien-)Pflegezeit auf Ihre Rente auswirkt.

Dies gilt ebenso für die gesetzliche Unfallversicherung.
Klären Sie am besten mit den Pflegeberatungen der zuständigen Pflegekasse Ihre sozialrechtliche Absicherung während der Pflegezeit.

 

 


WIE KÖNNEN SIE DIE (FAMILIEN-)PFLEGEZEIT FINANZIEREN?

Sowohl für die Pflegezeit als auch für die Familienpflegezeit gibt es keine Lohnersatzleistungen. Manche Pflegende können sich diese Einkommenseinbußen nicht leisten und beantragen deshalb für die Finanzierung ihres Lebensunterhaltes ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA). Sie erhalten das Darlehen monatlich und zahlen es später in monatlichen Raten zurück. Die Höhe des Darlehens ist abhängig von der Höhe des Verdienstausfalles. Grundsätzlich wird etwa die Hälfte der Gehaltsdifferenz als Darlehen gewährt.

Antragsformulare erhalten Sie unter anderem auf www.bafza.de oder www.wege-zur-pflege.de . Dort können Sie mit einem Rechner Ihre Darlehenshöhe ermitteln.
Arbeiten Sie in einem Unternehmen mit weniger als 15 bzw. 25 Mitarbeitern und können eine Freistellung auf freiwilliger Basis vereinbaren, haben Sie ebenfalls Anspruch auf das zinslose Darlehen.

In besonderen Fällen kann die Rückzahlung des Darlehens gestundet werden, also die Fälligkeit hinausschieben. Darüber hinaus kann die Darlehensschuld auch teilweise erlassen werden oder gänzlich gelöscht werden.

 


PFLEGEGELD

Pflegebedürftige haben Anspruch auf Pflegegeld, das oft an pflegende Angehörige als Anerkennung für ihre Dienste weitergegeben wird. Nähere Infos hierzu siehe Blog „ Welche Leistungen bieten die ambulanten Pflegedienste?“

 


PFLEGEKURSE

Die wenigsten Angehörigen haben bereits vorher Erfahrungen in der Pflege gesammelt. Mit dem nötigen Grundwissen und entsprechenden Pflegetechniken gelingt die Versorgung des Pflegebedürftigen besser und Sie schonen Ihre eigenen Kräfte. Die Pflegekassen finanzieren deshalb Kurse – zum Teil in Zusammenarbeit mit Verbänden der freien Wohlfahrtspflege oder Bildungsvereinen. Sie erhalten dort praktische Anleitungen und Informationen für die Pflege. Eine Schulung sollte auch in der häuslichen Umgebung des Pflegebedürftigen stattfinden, um dort auf die Besonderheiten eingehen zu können.

Weitere Informationen erhalten Sie auch bei Pflegestützpunkten in Ihrer Kommune sowie den Service- und Beratungsstellen der Bundesländer.

 

 



Besonders größere Unternehmen haben mittlerweile erkannt, wie wichtig die Unterstützung von pflegenden Mitarbeitern ist. Ein großer Fortschritt, da die Pflege oft im Stillen geschieht.
Dennoch entstehen oft Konflikte mit Kollegen oder Vorgesetzten, die nicht immer ausreichend Verständnis für diese schwierige Situation haben. Eine familienbewusste Personalpolitik besteht jedoch nicht nur in der Unterstützung von Eltern mit kleinen Kindern sondern auch von Mitarbeitern, die pflegebedürftige Angehörige versorgen. Hier besteht noch häufig Nachholbedarf.

Zu denkbaren Angeboten gehören zum Beispiel eine flexiblere Arbeitsgestaltung, ein mobiler Arbeitsort und betriebliche Serviceleistungen. Wichtig in den Betrieben sind geschulte Personen als erste Ansprechpartner in einer plötzlich auftretenden Pflegesituation. Ein tragfähiges Pflegearrangement führt neben der Entlastung für den Mitarbeiter auch zu einer höheren Zufriedenheit und einer engeren Bindung an das Unternehmen – und davon profitiert auch der Arbeitgeber. Aufgrund der demographischen Entwicklung wird die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf immer mehr zu einem wichtigen Thema werden. Nicht nur aufgrund des Mangels an Fachkräften sondern auch aufgrund der immer größer werdenden Anzahl an pflegebedürftigen Menschen.

Trotz der erweiterten Unterstützung vom Gesetzgeber sind viele pflegende Angehörige überlastet und sie befinden sich in einem ständigen Rollenkonflikt zwischen dem Anspruch einer guten Pflege und einer guten Leistung an ihrem Arbeitsplatz. Der bayerische Pflegebeauftragte Hermann Imhof sprach passend von einer „Akkordarbeit von pflegenden Angehörigen, die die Betroffenen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringt.“

Viele Pflegende können es sich aber nicht leisten, auf das Einkommen aus ihrer Erwerbstätigkeit zu verzichten. Oft sind die eigenen Kinder noch in der Ausbildung und werden finanziell unterstützt.

Unterstützung und Austausch bieten die Angehörigengruppen, die es in vielen Kommunen gibt. Dort treffen sich Menschen mit ähnlichen Erfahrungen und Herausforderungen und helfen bei der Bewältigung von emotionalen oder auch ganz praktischen Problemen.

 

Hinweis:
Nehmen Sie sich zu Beginn der Pflege Ihres Angehörigen möglichst viel Zeit für die Organisation und Information zu den einzelnen Punkten. Je genauer Sie über die verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten Bescheid wissen, desto hilfreicher können sie eingesetzt werden.

 


 


Wenn Sie mehr Informationen zu dem Thema Beruf und Pflege erfahren möchten, besuchen Sie die Internetseiten:

www.berufundfamilie.de
www.erfolgsfaktor-familie.de
www.pflege-durch-angehoerige.de

 

Tipp:
Auf der Webseite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finden Sie neben vielen Informationen auch einen Servicebereich mit Musterformularen für Ankündigungsschreiben, ärztliche Bescheinigungen, Anträge für das zinslose Darlehen oder des Pflegeunterstützungsgeld sowie Publikationen in verschiedenen Sprachen.
www.wege-zur-pflege.de

 

Die Stadt Nürnberg hat zusammen mit dem Pflegestützpunkt Nürnberg die Broschüre „Mitten im Leben oder zwischen allen Stühlen?“  Familie, Pflege und Beruf vereinbaren –  Eine Handreichung für Angehörige und Personalverantwortliche herausgebracht mit vielen Informationen für Betroffene und für Arbeitgeber. Erhältlich beim Pflegestützpunkt Nürnberg. Telefon 0911 – 539 89 53. www.pflegestuetzpunkt.nuernberg.de  



Angehörigenberatung e.V. Nürnberg

Fachstelle für pflegende Angehörige und Demenzberatung

Beratungen sind möglich im Nachbarschaftshaus Gostenhof, Adam-Klein-Straße 6, 90429 Nürnberg,

im Pflegestützpunkt Nürnberg (Adresse siehe PFLEGEBERATUNG) und

im Tilly-Center, Wallensteinstraße 61 – 63, 90431 Nürnberg  Telefon: 0911 – 266 126

info@angehoerigenberatung-nbg.de     www.angehoerigenberatung-nbg.de

Termine nur nach Vereinbarung.

Die Fachstelle informiert rund um das Thema Demenz, hilft bei der Suche nach Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige und informiert zu Fragen der Pflege, Pflegeversicherung oder Betreuungsrecht auch Betroffene im frühen Stadium einer Demenzerkrankung.

Sie bietet Vorträge, Veranstaltungen und Fortbildungen. Für die Begleitung und Entlastung werden Gesprächsgruppen und Kurse für Angehörigen, Gruppen für demenzkranke Menschen und eine stundenweise Betreuung angeboten.

 



Fachstelle für Seniorinnen und Senioren und die Belange von Menschen mit Behinderung (fübs)

Königsstraße 112 – 114, 1. Stock (City Center), 90762 Fürth  Telefon: 0911 – 974 – 1785

www.fuerth.de   > Seniorenberatung     fachstelle-fuebs@fuerth.de

Öffnungszeiten:

Di, Mi, Do 9 bis 12 sowie 13:30 – 15:30 Uhr

Mo 13:30 – 15:30 Uhr

Fr. 9 – 12 Uhr

Für allgemeine Information und Beratung ist Andreas Dießner zuständig: Tel. 0911 – 974 1785

Seniorenbeauftragte der Stadt Fürth ist Christiane Schmidt: Tel. 0911 – 974 1789

Behindertenbeauftragte der Stadt Fürth ist Carmen Kirchner: Tel. 0911 – 974 – 1791

Die Mitarbeiter sind Ansprechpartner für die Senioren, Angehörige und Bezugspersonen für alle, die im Stadtgebiet in diesem Feld tätig sind. Sie vermitteln Informationen in den Bereichen Pflege und Unterstützung, Freizeitaktivitäten, ehrenamtlichen Engagement u.v.m.



Trägerunabhängige Pflegeberatung Erlangen

Rathausplatz 1, 91052 Erlangen – 4. Stock  Tel. 09131 – 86 2329

pflegeberatung@stadt.erlangen.de

www.erlangen.de   > Themen | Senioren

Öffnungszeiten:

Mo, Di, Do 9 – 11 Uhr

Zusätzlich montags von 14 – 16 Uhr sowie nach vorheriger Terminvereinbarung

Die Pflegeberatung Erlangen informiert über das gesamt Pflege- und Dienstleistungsangebot in Erlangen, gibt Auskunft über freie Plätze in Heimen und Tagespflege, schlichtet bei Streitfragen z.B. zwischen Pflegeanbietern und Pflegebedürftigen und berät zu allen Fragen rund um die Pflege und zur Pflegeversicherung. In besonderen Fällen sind Hausbesuche möglich.

Einen Flyer können Sie hier herunterladen:

https://www.erlangen.de/Portaldata/1/Resources/030_leben_in_er/dokumente/amt_50/504/2017/504-Flyer_Pflegeberatung_WEB.pdf