Ambulante Pflegedienste – welche Leistungen bieten sie?

Von 13. Februar 2018 März 7th, 2018 Allgemein


Im Alter oder nach einem Kran­ken­haus­auf­ent­halt ist die selb­stän­dige Versor­gung zuhause oft nicht möglich. Viel­leicht wohnen keine Ange­hö­rige in der Nähe oder sie haben durch ihre Berufs­tä­tig­keit nicht genü­gend Zeit für die Pflege der Eltern. In diesen Situa­tionen können ambu­lante Pfle­ge­dienste einen Heim­auf­ent­halt vermeiden oder zumin­dest hinaus­schieben.

Der Grund­satz „Ambu­lant vor stationär“ ist auch ein sozi­al­po­li­ti­sches Anliegen und wird vom Gesetz­geber deshalb finan­ziell unter­stützt. Ich infor­miere Sie in diesem Beitrag über die Leis­tungen und Finan­zie­rung der ambu­lanten Pfle­ge­dienste.

Was kennzeichnet ambulante Pflegedienste?

Ein ambu­lanter Pfle­ge­dienst ist ein Dienst­leis­tungs­un­ter­nehmen, das Pfle­ge­be­dürf­tige und ihre Ange­hö­rigen bei der häus­li­chen Versor­gung unter­stützt. Das Pfle­ge­per­sonal ( Alten­pfle­ger/-innen, Pfle­ge­helfer und Kran­ken­pfle­ger/-innen) kommt in Absprache mit dem Betrof­fenen zu festen Zeiten zu den Senioren nach Hause, um die in einem Pfle­ge­ver­trag verein­barten Tätig­keiten durch­zu­führen. Die Häufig­keit dieser Einsätze ist meist abhängig von der Pfle­ge­be­dürf­tig­keit, von einmal wöchent­lich bis hin zu mehr­mals täglich.

Ziel ist es, die pfle­ge­be­dürf­tigen Personen so weit zu unter­stützen, dass sie ihr gewohntes Zuhause nicht verlassen müssen.

Die ambu­lante Pflege ist nicht nur möglich in den eigenen vier Wänden, sondern auch in Einrich­tungen des Betreuten Wohnens oder in Senioren-Wohn­ge­mein­schaften.

Welche Leistungen bieten ambulante Pflegedienste?

Grund­pflege
Hilfe bei der Körper­pflege, der Ernäh­rung und der Mobi­lität


Behand­lungs­pflege

ärzt­lich verord­nete medi­zi­ni­sche Behand­lungen ( Wund­ver­sor­gung, Anziehen von Kompres­si­ons­strümpfen, Insu­lin­gaben u.ä.)
 

Haus­wirt­schaft­liche Dienste
Reini­gung der Wohnung, Wäsche­wa­schen, Einkäufe, Beheizen der Wohnung, Haus­ord­nung, Kochen


Senio­ren­be­treuung

Beglei­tung bei Arzt­be­su­chen, Behör­den­gänge, Einkäufe


Verhin­de­rungs­pflege

Bis zu 6 Wochen pro Jahr – maximal 1.612 Euro

Voraus­set­zung: ab Pfle­ge­grad 2 und seit mindes­tens sechs Monate Pflege in der häus­li­chen Umge­bung.



Wieviel kosten ambulante Pflegedienste? 
 

Die Preise für die einzelnen Leis­tungen vari­ieren und können auch von Bundes­land zu Bundes­land unter­schied­lich sein. Die einzelnen Leis­tungen sind in Punkt­werte einge­teilt und jeder Punkt­wert hat einen bestimmten Euro-Wert. Sie können einen Über­blick über die Leis­tungs- und Preis­ver­gleichs­listen kosten­frei bei Ihrer Pfle­ge­kasse erhalten.

Pfle­ge­dienste müssen sich an die jewei­ligen Verein­ba­rungen halten und dürften Ihnen deshalb auch nicht mehr berechnen. Anders ist es jedoch, wenn Sie die Rech­nung des Pfle­ge­dienstes komplett selbst zahlen, da viel­leicht keine Pfle­ge­ein­stu­fung vorliegt. Dann dürfen die Pfle­ge­dienste die Preise selbst fest­legen.

Hinweis:

Kaum bekannt ist, dass Sie stets wählen können zwischen

a. einer Abrech­nung über sog. Leis­tungs­kom­plexe

Sie verein­baren zum Beispiel einmal wöchent­lich eine Ganz­kör­per­wä­sche für ca. 15 Euro – unab­hängig davon, wie lange sie dauert. Hinzu kommen dann noch die Anfahrts­kosten und die even­tuell erfor­der­li­chen Kosten für die Hilfe beim An- und Auskleiden.

oder

b. einer Abrech­nung nach Zeit­kon­tin­gent

Sie zahlen nach Zeit­auf­wand plus Anfahrts­kosten. Dauert die Ganz­kör­per­wä­sche 15 Minuten, dann kostet sie bei einem durch­schnitt­li­chen Stun­den­satz von 43 Euro etwa 11 Euro.

Sie könnten aber auch diese 15 Minuten für eine andere pfle­ge­ri­sche Leis­tung verwenden und haben dadurch mehr Flexi­bi­lität bei den einzelnen Hilfe­leis­tungen.

Beide Vari­anten haben ihre Vor- und Nach­teile.

Bei der Pflege meiner Eltern habe ich die Abrech­nung nach Zeit­auf­wand vorge­zogen. So wurden die pfle­ge­ri­schen Tätig­keiten ohne Zeit­druck erbracht und gab uns so Spiel­raum für spon­tane Ände­rungen je nach körper­li­cher und geis­tiger Verfas­sung des zu Pfle­genden. Dadurch war auch mal Zeit für mehr Kommu­ni­ka­tion und Zuwen­dung, die manchmal bei der Durch­füh­rung der verein­barten Leis­tungen zu kurz kommen.

Bespre­chen Sie deshalb mit dem Pfle­ge­dienst und Ihrem Ange­hö­rigen, in welcher Art Sie die Pflege wünschen.



Wer bezahlt die Kosten für ambulante Pflegedienste?

Wer die Kosten für den ambu­lanten Pfle­ge­dienst zahlt, ist abhängig vom zustän­digen Leis­tungs­träger.


Kostenübernahme durch die Krankenkassen

Kran­ken­kassen bezahlen den Pfle­ge­dienst, wenn es sich um Leis­tungen der „Häus­li­chen Kran­ken­pflege“ zum Beispiel nach einem Kran­ken­haus­auf­ent­halt handelt. Der Arzt verordnet diese Pflege unab­hängig davon, ob ein Pfle­ge­grad vorliegt oder nicht. In der Regel zahlen sie die Kosten für die soge­nannte „Behand­lungs­pflege“, wie eine notwen­dige Wund­ver­sor­gung oder die Hilfe beim Anziehen von Kompres­si­ons­strümpfen. Die vorhe­rige Zustim­mung der Kran­ken­kasse ist jedoch erfor­der­lich!

Der Arzt kann zur Vermei­dung eines Kran­ken­haus­auf­ent­haltes oder zur Siche­rung der Nach­be­hand­lung zusätz­lich eine grund­pfle­ge­ri­sche Versor­gung verordnen. Auch hier empfehle ich die Geneh­mi­gung der Kran­ken­kasse abzu­warten.

Die Kran­ken­kassen zahlen meist nur dann für haus­wirt­schaft­liche Dienste, wenn keine Person im glei­chen Haus­halt lebt, die dies über­nehmen könnte.



Kostenübernahme durch die Pflegekassen

Übli­cher­weise sind es die Pfle­ge­kassen, die für die ambu­lanten Leis­tungen zahlen. Sie werden bewil­ligt für Menschen ab dem Pfle­ge­grad 2.

Hinweis:

Der Unter­schied zwischen den Erstat­tungen von der Pfle­ge­kasse und den tatsäch­li­chen Kosten für einen ambu­lanten Dienst kann oft sehr hoch sein. Betrachten Sie die Pfle­ge­ver­si­che­rung deshalb nur als eine Art „Teil­kas­ko­ver­si­che­rung“.

Die Pfle­ge­kassen bieten folgende Möglich­keiten an:


Pfle­ge­geld

Über­nehmen Ange­hö­rige, Freunde oder Nach­barn die Pflege, so erhält der Pfle­ge­be­dürf­tige das Pfle­ge­geld. Darüber kann er frei verfügen, meist wird es an die pfle­gende Person als Aner­ken­nung oder Aufwands­ent­schä­di­gung weiter­ge­geben.

Das Pfle­ge­geld für die häus­liche Pflege beträgt bei:

Pfle­ge­grad 2: 316 Euro / Pfle­ge­grad 3: 545 Euro
Pfle­ge­grad 4: 728 Euro / Pfle­ge­grad 5: 901 Euro


Pfle­ge­sach­leis­tungen

Enga­gieren Sie für die Pflege einen von der Kasse aner­kannten ambu­lanten Pfle­ge­dienst, können Sie die Pfle­ge­sach­leis­tungen in Anspruch nehmen.

Was bekomme ich an Pfle­ge­sach­leis­tungen?

Pfle­ge­grad 2: 689 Euro / Pfle­ge­grad 3: 1.298 Euro
Pfle­ge­grad 4 : 1.612 Euro / Pfle­ge­grad 5: 1.995 Euro

Die ambu­lanten Pfle­ge­dienste rechnen ihre Leis­tungen monat­lich direkt mit den Pfle­ge­kassen ab – gesetz­lich Versi­cherte brau­chen also die Rech­nungen nicht vorab zu bezahlen.


Kombi­na­ti­ons­leis­tungen

Sie können Pfle­ge­geld und Pfle­ge­sach­leis­tung kombi­nieren, wenn dies für Ihren Pfle­ge­be­dürf­tigen und seine Ange­hö­rigen eine gute Lösung ist. So über­nehmen Sie zum Beispiel die tägliche Versor­gung mit Pflege und Mahl­zeiten, wünschen sich jedoch Unter­stüt­zung beim Duschen und Haare­wa­schen an 2 – 3 Tagen in der Woche. In diesem Fall wird das Pfle­ge­geld prozen­tual in dem Umfang vermin­dert, in welchem Pfle­ge­sach­leis­tungen in dem jewei­ligen Monat in Anspruch genommen wurden. Haben Sie also 60 % der Pfle­ge­sach­leis­tungen benö­tigt, so erhalten Sie noch 40 % des Ihnen zuste­henden Pfle­ge­geldes.

Aus diesem Grund wird bei dieser Kombi­na­tion das Pfle­ge­geld erst gezahlt, wenn der Pfle­ge­dienst seine Leis­tungen bei der Pfle­ge­kasse einge­reicht hat. Erhalten Sie nur Pfle­ge­geld, wird das Geld am Anfang des Monats über­wiesen.

Hinweis: Die Entschei­dung für Kombi­na­ti­ons­leis­tungen müssen Sie für sechs Monate fest­legen. Ein monat­li­cher Wechsel zwischen Sach­leis­tungen und Kombi­na­ti­ons­leis­tungen ist nicht möglich, außer der gesund­heit­liche Zustand des Pfle­ge­be­dürf­tigen ändert sich gravie­rend.


Verhin­de­rungs­pflege

Können pfle­gende Ange­hö­rige aufgrund von Urlaub oder Krank­heit die häus­liche Versor­gung nicht über­nehmen, so haben sie Anspruch auf „Verhin­de­rungs­pflege“. Ab dem Pfle­ge­grad 2, bis zu 1.612 Euro pro Jahr bis zu 42 Tage. Die Verhin­de­rungs­pflege kann auch stun­den­weise genutzt werden. Wenn die Ersatz­pflege weniger als 8 Stunden genutzt wird, zieht die Pfle­ge­kasse keinen der 42 Tage ab.



Entlas­tungs­be­trag

Für jeden Pfle­ge­grad gibt es zusätz­lich einen monat­li­chen Entlas­tungs­be­trag von 125 Euro, der zweck­ge­bunden einzu­setzen ist. Damit kann u.a. die Tages­pflege, Kurz­zeit­pflege, Hilfe zur Haus­halts­füh­rung durch zuge­las­sene Dienste, stun­den­weise Betreuung zuhause oder der Besuch von Betreu­ungs­gruppen bezahlt werden. Dieser Entlas­tungs­be­trag wird nicht auto­ma­tisch über­wiesen sondern nur gegen Nach­weis der Auslagen.

Bei Pfle­ge­grad 1 kann dieser Betrag auch für die Grund­pflege durch einen Pfle­ge­dienst verwendet werden.




Kostenübernahme durch das zuständige Sozialamt

Reichen die finan­zi­ellen Mittel des Betrof­fenen und seiner Ange­hö­rigen nicht aus, kann man einen Antrag auf „Hilfe zur Pflege“ stellen. Bitte recht­zeitig bean­tragen – die Leis­tungen werden nicht rück­wir­kend ausge­zahlt.



Kostenübernahme durch private Pflegezusatzversicherungen

Damit Sie bei Bedarf Leis­tungen erhalten können, muss der Antrag recht­zeitig abge­schlossen worden sein. Bei bereits bestehenden Krank­heiten oder Pfle­ge­be­dürf­tig­keit ist die Aufnahme in eine private Pfle­ge­zu­satz­ver­si­che­rung meist nicht mehr möglich.


Kostenübernahme durch den Pflegebedürftigen – Selbstzahler

Die Pfle­ge­kassen über­nehmen nicht immer die voll­stän­digen Kosten oder es werden Leis­tungen in Anspruch genommen, für die es keinen erkenn­baren Grund gibt. Pfle­ge­be­dürf­tige oder even­tuell die unter­halts­pflich­tigen Kinder müssen dann für die Diffe­renz selbst aufkommen.



Wie finden Sie einen guten ambulanten Pflegedienst?

Der Medi­zi­ni­sche Dienst der Kran­ken­kasse prüft die ambu­lanten Pfle­ge­dienste jähr­lich. Sie finden im Internet Pfle­ge­dienst­na­vi­ga­toren, die Ihnen Pfle­ge­dienste in Ihrem Wohn­um­feld und die jewei­lige letzte Bewer­tung nennen.

Fragen Sie auch im Bekann­ten­kreis und bei Ihren Nach­barn, ob sie einen Pfle­ge­dienst empfehlen können. Berichte aus erster Hand sind oft sehr hilf­reich.

Bera­tungs­stellen in der Kommune haben meist eine gute Über­sicht über vertrau­ens­wür­dige Pfle­ge­dienste. Eine Anlauf­stelle im Groß­raum Nürn­berg, Fürth und Erlangen finden Sie auf meiner Seite „Bera­tungs­stellen“.

Bei der Auswahl des Pflegedienstes achten Sie bitte auf folgende Punkte:

  • Wird ein kosten­loses Erst­ge­spräch bei Ihnen zuhause ange­boten?
  • Werden die Ange­hö­rigen mit in die Planung einbe­zogen?
  • Wie häufig wech­seln die Pfle­ge­kräfte?
  • Haben Sie Einfluss auf die Pfle­ge­pla­nung in Bezug auf Pfle­ge­zeiten?
  • Ist der Pfle­ge­dienst bei den Pfle­ge­kassen zuge­lassen?

Vertrauen Sie auch Ihrem „Bauch­ge­fühl“: Haben Sie den Eindruck, dass die Pfle­ge­kräfte offen sind für die Bedürf­nisse des Pfle­ge­be­dürf­tigen, ausrei­chend quali­fi­ziert und mit genü­gend Sprach­kennt­nissen für eine gute Kommu­ni­ka­tion?

Bei Schwie­rig­keiten während der Pflege, die sich nicht im persön­li­chen Gespräch lösen lassen, wenden Sie sich bitte an die Pfle­ge­stütz­punkte in Ihrer Gemeinde oder an die Pfle­ge­kasse. Adressen von Pfle­ge­stütz­punkten im Groß­raum Nürn­berg finden Sie auf meiner Seite „Bera­tungs­stellen„.


Worauf sollten Sie beim Pflegevertrag achten?


Schließen Sie immer erst einen Pfle­ge­ver­trag ab, bevor Sie Leis­tungen in Anspruch nehmen.

Folgende Punkte sollten enthalten sein:

  • Die genaue Auflis­tung der einzelnen Leis­tungen mit den entspre­chenden Kosten
  • Eine ausrei­chende Zahlungs­frist – keine Einzugs­er­mäch­ti­gung oder Abschlags­zah­lungen
  • Die Kündi­gungs­frist nicht länger als 14 Tage, von seitens des Pfle­ge­dienstes 6 Wochen
  • Keine durch­ge­henden Zahlungen bei einem Klinik­auf­ent­halt des Pfle­ge­be­dürf­tigen
  • Sind die Mitar­beiter für selbst verur­sachte Schäden versi­chert?
  • Haben Sie jeder­zeit Einblick in die Pfle­ge­do­ku­men­ta­tion?


 Ohne die Leis­tungen der ambu­lanten Pfle­ge­dienste könnten viele Menschen ihre Selb­stän­dig­keit in ihrem Zuhause nicht erhalten. Sie entlasten pfle­gende Ange­hö­rige und bieten ihnen die notwen­dige Unter­stüt­zung oder eine Auszeit von dieser anstren­genden Tätig­keit.



Diesen Ratgeber zur Pflege (212 Seiten, April 2017) können Sie online herun­ter­laden oder als Druck­ver­sion kosten­frei bestellen:

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