24h-Pflegekräfte aus Osteuropa – was Sie darüber wissen sollten.

Von 30. Januar 2018 Mai 16th, 2019 Unkategorisiert


Möglichst gesund und selb­ständig auch noch im hohen Alter – das wünschen sich die meisten Menschen. Die Realität sieht jedoch manchmal anders aus. Über drei Millionen Menschen – über­wie­gend älter als 65 – gelten in Deutsch­land als pfle­ge­be­dürftig. Den Ange­hö­rigen ist es oft nicht möglich, die Pflege zu über­nehmen. Der Wunsch, im gewohnten Zuhause bleiben zu können, stößt somit an seine Grenzen.

Als Alter­na­tive zu einem Pfle­ge­heim hat sich in den letzten Jahren ein neuer Trend entwi­ckelt: 24h-Pfle­ge­kräfte aus Osteu­ropa. Diese sind im Vergleich zu einer deut­schen Pfle­ge­kraft wesent­lich güns­tiger. Laut offi­zi­ellen Schät­zungen arbeiten derzeit etwa 200.000 Betreue­rinnen aus dem osteu­ro­päi­schen Ausland in deut­schen Haus­halten. Die Dunkel­ziffer dürfte um einiges höher sein.

Die Entschei­dung für oder gegen eine Betreu­ungs­person im eigenen Haus­halt sollte jedoch nicht nur vom Preis abhängig gemacht werden. Ich werde Ihnen in diesem Beitrag verschie­dene Aspekte aufzeigen, die Ihnen bei der Entschei­dung helfen können.



#1 Wer sind die 24-h Pflegekräfte aus Osteuropa?


Anfangs kamen viele der – meist weib­li­chen – Betreu­ungs­kräfte aus Polen, Tsche­chien oder der Slowakei. Inzwi­schen sind auch Länder wie Rumä­nien, Bulga­rien oder Litauen hinzu­ge­kommen. Diese Betreu­ungs­per­sonen über­nehmen die haus­wirt­schaft­liche Versor­gung im Haus­halt des Pfle­ge­be­dürf­tigen und unter­stützen nach Bedarf bei den alltäg­li­chen Aufgaben. Dies sind Hilfen beim An- und Auskleiden, dem Toilet­ten­gang oder bei den Mahl­zeiten. Darüber hinaus leisten sie Gesell­schaft (Gespräche, Gesell­schafts­spiele, Spazier­gänge) und begleiten zu den behan­delnden Ärzten oder zu anderen Terminen.

Aus recht­li­chen Gründen darf eine Betreuerin keine medi­zi­ni­sche Pflege durch­führen. Ausge­schlossen sind deshalb Leis­tungen der soge­nannten „Behand­lungs­pflege“, also Verbands­wechsel, Stellen von Tabletten oder Injek­tionen etc.

Meist zieht die Pfle­ge­kraft bei der zu betreu­enden Person in die Wohnung ein. In seltenen Fällen wird ein Zimmer in der Nähe ange­mietet. Da sie in der Regel selbst eine Familie haben, ist der Einsatz zeit­lich begrenzt. Üblich ist ein Wechsel von zwei festen Betreu­ungs­kräften alle zwei Monate.

Hinweis zur Arbeits­zeit:

Die Bezeich­nung „24-Stunden-Pfle­ge­kraft“ ist auf Grund des deut­schen Arbeits­schutz­ge­setzes irre­füh­rend. Natür­lich kann auch eine 24h-Pfle­ge­kraft nicht 24 Stunden pro Tag arbeiten. Diese Bezeich­nung drückt mehr oder weniger aus, dass es sich um eine umfas­sende Betreuung einschließ­lich einer Rufbe­reit­schaft handelt. Wie jeder andere Mensch braucht die Pfle­ge­kraft Ruhe­zeiten und Pausen.

Neben den regu­lären Arbeits­zeiten, die 40 h wöchent­lich nicht über­schreiten sollten, gehören norma­ler­weise eine unge­störte Nacht­ruhe sowie 2-3 Stunden pro Tag zur freien Verfü­gung. Freie Tage oder ein freies Wochen­ende sind frei­willig. Sind die Nächte unruhig, muss die Möglich­keit geschaffen werden, den fehlenden Schlaf am nächsten Tag nach­zu­holen.

Wenn der Pfle­ge­be­dürf­tige z.B. nach dem Früh­stück versorgt ist und keine weitere Arbeit vorliegt, kann sich die Pfle­gerin in ihr Zimmer zurück­ziehen. Diese „Rufbe­reit­schaft“ zählt nicht zur reinen Arbeits­zeit.

Die oft ange­nom­mene stän­dige Verfüg­bar­keit führt manchmal zu Problemen mit Pfle­ge­be­dürf­tigen und Ange­hö­rigen. Oft ist es nicht möglich, der Betreu­ungs­kraft feste freie Zeiten zu geben. Ich empfehle jedoch sehr, Möglich­keiten zur Entlas­tung zu schaffen. Viel­leicht können Ange­hö­rige oder Besu­cher halbe Tage über­nehmen oder der Pfle­ge­be­dürf­tige besucht stun­den­weise eine Tages­pflege o.ä. Eine über­mü­dete Pfle­ge­kraft ist auch für den Betrof­fenen kein Vorteil.


#2
Welche Beschäftigungsmodelle sind möglich?

Grund­sätz­lich gibt es drei legale Möglich­keiten.


a.
Die Pflegekraft ist selbständig tätig.

Sie arbeitet auf selbst­stän­diger Basis als Gewer­be­trei­bende. Bei den Gewerbe- und Finanz­äm­tern ist sie ordnungs­gemäß gemeldet und zahlt dort Steuern und Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­träge.

Hinweis: Bei diesem Modell gibt es jedoch eine recht­liche Grau­zone mit einem juris­ti­schen Risiko. Wenn die Pfle­ge­kraft nur einen einzigen Kunden hat ( was meist der Fall ist ), so besteht der Verdacht einer Schein­selb­stän­dig­keit. Sollte dies nach­ge­wiesen werden, müssen auch Sie juris­ti­sche Konse­quenzen mittragen.


b.
Die Pflegekraft ist direkt in Ihrem Haushalt angestellt.

Bei einer Direkt­an­stel­lung in Ihrem Haus­halt sind Sie der Arbeit­geber mit voller Weisungs­be­fugnis. Gleich­zeitig müssen Sie dafür sorgen, dass alle recht­li­chen Bestim­mungen erfüllt sind. Dies ist ein großer orga­ni­sa­to­ri­scher Aufwand, verbunden mit höheren Kosten, für die meisten Fami­lien ist dies deshalb keine Lösung.

Hinweis: Eine ille­gale Beschäf­ti­gung von Pfle­ge­kräften kann hoch bestraft werden (Hinter­zie­hung von Sozi­al­ab­gaben, Beschäf­ti­gung ohne Arbeits­er­laubnis etc.)

Um den Fami­lien bei diesem hohen Orga­ni­sa­ti­ons­auf­wand beizu­stehen, gibt es – leider noch nicht flächen­de­ckend – zwei Orga­ni­sa­tionen, die den Ange­hö­rigen zeit­rau­bende Behör­den­gänge abnehmen. Gleich­zeitig achten sie auf die Einhal­tung der arbeits­recht­li­chen Vorgaben und vermit­teln zwischen Pfle­ge­kraft und Familie. Sie streben nach fairen und legalen Arbeits­be­din­gungen für auslän­di­sche Pfle­ge­kräfte und ebenso für die mensch­liche Betreuung von alten Menschen.

Verein für Inter­na­tio­nale Jugend­ar­beit: www.vij-faircare.de 

caritas 24: www.caritas.de

Caritas 24 bietet zum Herun­ter­laden einen sehr hilf­rei­chen Leit­faden mit den Rahmen­be­din­gungen zur Beschäf­ti­gung von Haus­halts­hilfen aus dem osteu­ro­päi­schen Ausland: caritas-rahmen­be­din­gungen


c.
Die Pflegekraft wird von ihrem Arbeitgeber nach Deutschland entsendet.

Die Pfle­ge­kraft ist bei ihrem Arbeit­geber im jewei­ligen Heimat­land ange­stellt und wird nach Deutsch­land entsendet. Mit einer soge­nannten A1Beschei­ni­gung können die Pfle­ge­kräfte inner­halb der EU ihren Beruf ausüben. Dadurch bleibt der büro­kra­ti­sche Aufwand über­schaubar. Aller­dings gilt diese Bewil­li­gung nur für zwölf Monate. Anschlie­ßend müssen sie für zwei Monate zurück.

Grund­sätz­lich kann die A1-Beschei­ni­gung auch nach­träg­lich beigebracht werden, insbe­son­dere bei kurz­fris­tigen Einsätzen. Die Pfle­ge­kraft ist über die jewei­lige Agentur sozi­al­ver­si­chert. Dieses Entsen­de­mo­dell ist die häufigste Vari­ante.


#3
Welche Qualifikation haben die osteuropäischen Pflegekräfte?

Das Quali­fi­ka­ti­ons­ni­veau der Betreue­rinnen reicht von ersten Erfah­rungen bei der Pflege von eigenen Ange­hö­rigen oder einem Prak­tikum in einem Alten­heim bis hin zu einer Ausbil­dung im Pflege- oder Sozi­al­be­reich. Sie kommen aus den unter­schied­lichsten Berufs­gruppen und Bevöl­ke­rungs­schichten. Nicht selten sind es Akade­mi­ke­rinnen, die keine Arbeit in ihren Heimat­län­dern gefunden haben. In der Regel arbeiten die Betreue­rinnen viele Jahre in der Alten­pflege.

Hinweis:

Das Sprach­ni­veau der Pfle­ge­kräfte ist eben­falls sehr unter­schied­lich. Vermit­telt werden Betreue­rinnen mit Grund­kennt­nissen bis hin zu einem fast mutter­sprach­li­chen Niveau. Auf den Frage­bögen der Agen­turen können Sie angeben, wie gut die Sprach­kennt­nisse sein sollen. Danach richtet sich auch die Vergü­tung der Pfle­ge­kräfte.

Bitte bedenken Sie auch: Bei manchen Krank­heits­bil­dern (z.B. Demenz) ist die Sprache nicht immer das wich­tigste Kommu­ni­ka­ti­ons­mittel. Bei körper­li­chen Einschrän­kungen ist jedoch der sprach­liche Austausch von großer Wich­tig­keit. Aus persön­li­cher Erfah­rung empfehle ich, mit der vorge­schla­genen Betreu­ungs­person vorab zu tele­fo­nieren, um sich einen eigenen Eindruck verschaffen zu können.


#4
Was kostet eine Pflegekraft aus Osteuropa?

Ich gehe hier nur auf die Kosten von Pfle­ge­kräften aus Osteu­ropa ein, die über eine offi­zi­elle Vermitt­lungs­agentur einge­stellt werden. Für die anderen Möglich­keiten stehen mir keine zuver­läs­sigen Angaben zur Verfü­gung, da sich manche Beschäf­ti­gungen im legal nicht eindeu­tigen Bereich bewegen.

Die Über­sicht dient nur als erste Orien­tie­rung. Die genauen Kosten sind abhängig von der jewei­ligen Hilfs­be­dürf­tig­keit und des Arbeits­auf­wands sowie der Quali­fi­ka­tion der Betreu­ungs­person.

a. Kosten für Verpflegung und Unterbringung

Die Betreu­ungs­person bekommt kosten­frei ein möbliertes Zimmer sowie die Mitbe­nut­zung des Bade­zim­mers. Ich empfehle, dieses Zimmer möglichst wohn­lich zu gestalten. Fühlt sich Ihre Pfle­ge­kraft wohl und will­kommen, wirkt sich das auch auf die Zusam­men­ar­beit positiv aus. Ein paar Blumen zum Empfang sind ein guter Start für die gemein­same Zeit.

Nach Möglich­keit sollte ein Inter­net­an­schluss gestellt werden, damit der Kontakt zu den Ange­hö­rigen und Freunden in der Heimat gehalten werden kann. Die Betreu­ungs­kraft erhält freie Verpfle­gung im Haus­halt.

b. Betreuungskosten – werden direkt an die Vermittlungsagentur gezahlt

Sie erhalten in der Regel alle 4 Wochen eine Rech­nung von der Agentur. Die monat­li­chen Kosten vari­ieren von ca. 1.900 Euro bis 2.600 Euro oder noch höher. Achten Sie bitte darauf, dass in der Pauschale auch die Reise­kosten, der Ersatz bei Ausfall der Betreu­ungs­person z.B. durch Krank­heit, Steuern und Sozi­al­ab­gaben und Versi­che­rungen enthalten sind. Manche Agen­turen stellen eine zusätz­liche Vermitt­lungs­ge­bühr in Rech­nung.


#5
Ist eine Kostenerstattung durch die Pflegekasse möglich?

Auslän­di­sche Betreu­ungs­dienste haben keine Koope­ra­ti­ons­ver­träge mit den deut­schen Pfle­ge­kassen, eine Über­nahme der Kosten ist somit nicht möglich. Sie erhalten jedoch bei Vorliegen eines Pfle­ge­grades die Zuschüsse, die Sie bei einer Pflege durch die Ange­hö­rigen bekommen würden. Das soge­nannte Pfle­ge­geld beträgt

bei Pfle­ge­grad 2:  316 Euro bei Pfle­ge­grad 3:  545 Euro

bei Pfle­ge­grad 4:  728 Euro bei Pfle­ge­grad 5:  901 Euro

Für neu einge­stufte Personen mit Pfle­ge­grad 1 wird kein Pfle­ge­geld ausge­zahlt, sondern ein Entlas­tungs­be­trag in Höhe von  125 Euro zur Verfü­gung gestellt. Dieser kann für ambu­lante Sach­leis­tung verwendet werden, z.B. für stun­den­weise Betreuung durch zuge­las­sene Dienste.

» Rechen­bei­spiel für die monat­li­chen Kosten ohne weiteren Pfle­ge­dienst:

Frau M. hat Pfle­ge­grad 3 und somit Anspruch auf monat­lich 545 Euro Pfle­ge­geld. Für die polni­sche Betreu­ungs­kraft stellt ihr die Agentur monat­lich 1.900 Euro in Rech­nung.

Der Eigen­an­teil von Frau M.: 1.900 Euro abzüg­lich 545 Euro Pfle­ge­geld =  1.355 Euro Eigen­an­teil

Bei Unter­stüt­zung durch einen zuge­las­senen Pfle­ge­dienst verrin­gert sich das Pfle­ge­geld prozen­tual. In diesem Fall bean­tragen Sie bitte die Kombi­na­ti­ons­leis­tung bei Ihrer Pfle­ge­kasse.

Wird die pfle­ge­be­dürf­tige Person bereits seit mehr als sechs Monaten in der eigenen Häus­lich­keit gepflegt, hat sie Anspruch auf Verhin­de­rungs­pfle­ge­geld in Höhe von bis zu  2.418 Euro ( Grund­be­trag 1.612 Euro plus max. 806 Euro aus der Kurz­zeit­pflege). Während der Verhin­de­rungs­pflege wird die Hälfte des monat­li­chen Pfle­ge­geldes auch weiterhin ausbe­zahlt.


#6
Steuerliche Vergünstigungen

Betreu­ungs­leis­tungen von offi­zi­ellen Agen­turen sind als haus­halts­nahe Dienst­leis­tungen abzugs­fähig. Bis zu einem Gesamt­be­trag von jähr­lich bis zu 20.000 Euro können 20% (= 4.000 Euro) direkt von der Steuer abge­zogen werden.

Unter bestimmten Voraus­set­zungen lassen sich die Aufwen­dungen alsaußer­ge­wöhn­liche Belas­tungen bei der Steu­er­erklä­rung angeben. Bitte infor­mieren Sie sich bei Ihrem Steu­er­be­rater, ob dies für Sie möglich ist.


#7
Für wen eignet sich die Betreuung durch eine 24h-Pflegekraft?
 

Nicht für jeden ist eine 24h-Pflege eine gute Lösung. Ein zu hoher Pfle­ge­auf­wand ist ebenso wenig dafür geeignet wie ein zu geringer oder unre­gel­mäßig zu leis­tender Pfle­ge­be­darf. Folgende Situa­tionen können mit einer 24h-Betreuung im Allge­meinen gut abge­deckt werden:

Wenn die Pfle­ge­person

  • den Haus­halt nicht mehr selb­ständig führen kann
  • Unter­stüt­zung bei der Grund­pflege (Waschen, Ankleiden, Hilfe bei der Nahrungs­auf­nahme) notwendig ist
  • regel­mäßig nachts einer Betreuung bedarf, z.B. beim Toilet­ten­gang
  • aufgrund einer begin­nenden Demenz nicht mehr in der Lage dazu ist, alleine zu leben.

Bei einer Demenz im fort­ge­schrit­tenen Stadium mit gestörtem Tag-/Nach­trythmus oder einer aggres­siven Persön­lich­keits­ver­än­de­rung ist die Versor­gung durch eine 24h-Pfle­ge­kraft sehr frag­lich. Für eine inten­sive medi­zi­ni­sche Versor­gung oder bei psychi­schen Erkran­kungen der Pfle­ge­be­dürf­tigen ist diese Art der Pflege meiner Meinung nach nicht geeignet.


#8
Was sind die Vorteile der 24h-Pflegekräfte aus Osteuropa?

Eine 24h-Pflege bietet einige Vorteile, die andere Pfle­ge­mo­delle nicht aufweisen:

  • Die Versor­gung des Pfle­ge­be­dürf­tigen in den vertrauten vier Wänden – es ist kein Umzug im höheren Lebens­alter notwendig.
  • Die sozialen Kontakte können leichter aufrecht­erhalten werden – Besuche von Freunden und Nach­barn sind spontan möglich.
  • Indi­vi­du­elle Betreuung des Pfle­ge­be­dürf­tigen – Tages­rhythmus und Vorlieben können beibe­halten werden.
  • Kein häufiger Wechsel der pfle­genden Bezugs­per­sonen.
  • Relativ geringe Kosten im Vergleich zu deut­schen Pfle­ge­kräften.
  • Ein Ansprech­partner ist rund um die Uhr in unmit­tel­barer Nähe.
  • Sicher­heit und Entlas­tung für die Ange­hö­rigen.


#9
Mögliche Schwierigkeiten bei der Versorgung durch osteuropäische Pflegekräfte

  • In manchen Fällen kann die Versor­gung durch eine Pfle­ge­kraft nicht ausrei­chend sein. Zur Ergän­zung müssen dann Leis­tungen von anderen Anbie­tern mit hinzu­ge­nommen werden. Dadurch steigen die monat­li­chen Kosten.
  • Beson­ders wichtig ist die Auswahl einer vertrau­ens­wür­digen Agentur mit sozi­al­ver­si­cherten Betreu­ungs­per­sonen. Lassen Sie sich immer die A1-Beschei­ni­gung zeigen.
  • Unzu­rei­chende Sprach­kennt­nisse können die Kommu­ni­ka­tion erschweren. Bedürf­nisse und Nöte des Pfle­ge­be­dürf­tigen werden deshalb nicht ausrei­chend wahr­ge­nommen. Tele­fo­nieren Sie unbe­dingt vor dem Abschluss des Vertrages mit der zukünf­tigen Pfle­ge­kraft.


#10
Wie finde ich die geeignete Vermittlungsagentur?

In Deutsch­land gibt es mehrere hundert Vermitt­lungs­agen­turen für osteu­ro­päi­sche Pfle­ge­kräfte. Nicht jede arbeitet seriös. Auf den Webseiten der Pfle­ge­dienste werden oft Kunden­mei­nungen zitiert, die vermut­lich nicht immer der Realität entstammen. Das Portal www.24h-pflege-check.de listet nahezu alle Vermitt­lungs­agen­turen. Es bietet einen Ange­bots-Service, bei dem Sie einen kurzen Frage­bogen ausfüllen. Dieser wird analy­siert und die Daten an bis zu drei geprüfte Anbieter zur Erstel­lung eines Ange­bots inklu­sive Perso­nal­vor­schlag weiter­ge­leitet.

Eine Check­liste erleich­tert die Suche nach einer seriösen Agentur. Auf der Inter­net­seite https://www.pflege.de/content-upgrades/umfangreiche-broschuere-zur-24-stunden-betreuung/ können Sie sich die Check­liste herun­ter­laden. pflege.de berät Pfle­ge­be­dürf­tige und ihre Ange­hö­rigen deutsch­land­weit rund um die Themen Wohnen und Leben im Alter.

Die Stif­tung Waren­test hat 2017 einige der bundes­weit tätigen Vermitt­lungs­agen­turen getestet. Die Ergeb­nisse finden Sie im Internet oder in der Ausgabe 5/2017.

Sie können sich auch an die Pfle­ge­be­ra­tungen in Ihrer Kommune wenden ( Anlauf­stellen im Groß­raum Nürn­berg, Fürth und Erlangen finden Sie auf meiner Seite „Bera­tungs­stellen“) und sich dort beraten lassen oder fragen Sie im Bekann­ten­kreis nach Erfah­rungen mit Agen­turen.


Merkmale
von professionellen Anbietern sind unter anderem:

  • eine hohe Erreich­bar­keit von kompe­tenten Fach­be­ra­tern
  • ein fester Ansprech­partner in Deutsch­land für die gesamte Vertrags­lauf­zeit
  • ein tages­ge­nauer Gesamt­preis ohne versteckte Zusatz­kosten
  • unver­bind­liche Vorschläge, die nach Ihren Wünschen ausge­wählt wurden
  • idea­ler­weise Refe­renzen von bishe­rigen Einsatz­stellen
  • eine Kündi­gungs­frist von nicht länger als zwei Wochen
  • der Nach­weis einer legalen Entsen­dung und Sozi­al­ver­si­che­rung der Betreu­ungs­person
  • sehr wichtig: die Möglich­keit eines vorhe­rigen tele­fo­ni­schen Kontakts mit der Betreu­ungs­person


Beantragung der Pflegekraft

Die betref­fende Agentur schickt Ihnen zunächst einen ausführ­li­chen Erhe­bungs­bogen, um sich ein Bild von Ihrer indi­vi­du­ellen Betreu­ungs­si­tua­tion machen zu können. Sie geben Ihrer­seits die genauen Wünsche und Anfor­de­rungen an die Pfle­ge­kraft an.Nach wenigen Tagen erhalten Sie einen Betreu­ungs­vor­schlag. Sagt Ihnen diese Pfle­ge­kraft zu, schließen Sie den Betreu­ungs­ver­trag ab. Lassen Sie sich dafür viel Zeit und beachten Kündi­gungs­fristen, Lauf­zeiten, Vertre­tungs­an­ge­bote etc. Keine Zahlungen vorab!

Wichtig sind quali­fi­zierte Bera­tungs­kräfte bei der deut­schen Vermitt­lungs­agentur, die bei Problemen vermit­teln können. Vorsicht ist geboten, wenn auf schnelle Entschei­dungen gedrängt wird.

Die Agentur orga­ni­siert die Anreise der Pfle­ge­kraft und die Pfle­ge­kraft beginnt mit der Betreuung.


Eine 24h-Betreuung mit osteu­ro­päi­schen Pfle­ge­kräften kann für den Pfle­ge­be­dürf­tigen und seine Ange­hö­rigen eine große Entlas­tung und eine gute Alter­na­tive zum Umzug in ein Pfle­ge­heim sein. Oft entwi­ckeln sich im Laufe der Zeit enge persön­liche Bezie­hungen und führen zu einer erhöhten Lebens­qualität im eigenen Zuhause.

Geben Sie der Betreu­ungs­kraft die Möglich­keit, ihre Privat­sphäre zu haben und den regel­mä­ßigen Kontakt zu ihrer Familie aufrecht zu erhalten. Nehmen Sie sich ausrei­chend Zeit zu Beginn der Tätig­keit, ihr die häus­li­chen Gege­ben­heiten und die erwar­teten Tätig­keiten zu erklären. Eine respekt­volle Behand­lung ist Voraus­set­zung für ein gutes Mitein­ander.



Buch­emp­feh­lung
:

Eine Polin für Oma: Der Pfle­ge­not­stand in unseren Fami­lien“

Die Jour­na­listin Inge­borg Haffert hat sich in ihrem Buch mit dem „Pfle­ge­not­stand“ ausein­an­der­ge­setzt und über einen längeren Zeit­raum mit Ange­hö­rigen, polni­schen 24h-Pfle­ge­kräften und Pfle­ge­be­dürf­tigen gespro­chen. Miss­stände und Probleme werden offen­ge­legt und Verbes­se­rungs­vor­schläge disku­tiert. Lesens­wert – nicht nur für Betrof­fene. Fami­lien, die sich für die Betreuung durch eine osteu­ro­päi­sche Pfle­ge­kraft inter­es­sieren, lege ich dieses Buch ganz beson­ders ans Herz. Es ist eine sehr hilf­reiche Vorbe­rei­tung für Betrof­fene und Ange­hö­rige und manche Probleme können dadurch sicher­lich vermieden werden.