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24h-Pflegekräfte aus Osteuropa – was Sie darüber wissen sollten.

Von 7. November 2021Unkategorisiert

Möglichst gesund und selbständig auch noch im hohen Alter…

das wünschen sich die meisten Menschen. Die Realität sieht jedoch manchmal anders aus. Über drei Millionen Menschen – über­wie­gend älter als 65 – gelten in Deutsch­land als pfle­ge­be­dürftig. Den Ange­hö­rigen ist es oft nicht möglich, die Pflege zu über­nehmen. Der Wunsch, im gewohnten Zuhause bleiben zu können, stößt somit an seine Grenzen.

Als Alter­na­tive zu einem Pfle­ge­heim hat sich in den letzten Jahren ein neuer Trend entwi­ckelt: 24h-Pfle­ge­kräfte aus Osteu­ropa. Diese sind im Vergleich zu einer deut­schen Pfle­ge­kraft wesent­lich güns­tiger. Laut offi­zi­ellen Schät­zungen arbeiten derzeit etwa 200.000 Betreue­rinnen aus dem osteu­ro­päi­schen Ausland in deut­schen Haus­halten. Die Dunkel­ziffer dürfte um einiges höher sein.

Die Entschei­dung für oder gegen eine Betreu­ungs­person im eigenen Haus­halt sollte jedoch nicht nur vom Preis abhängig gemacht werden. Ich werde Ihnen in diesem Beitrag verschie­dene Aspekte aufzeigen, die Ihnen bei der Entschei­dung helfen können.

1.Wer sind die 24-h Pflegekräfte aus Osteuropa?

Anfangs kamen viele der – meist weib­li­chen – Betreu­ungs­kräfte aus Polen, Tsche­chien oder der Slowakei. Inzwi­schen sind auch Länder wie Rumä­nien, Bulga­rien oder Litauen hinzu­ge­kommen. Diese Betreu­ungs­per­sonen über­nehmen die haus­wirt­schaft­liche Versor­gung im Haus­halt des Pfle­ge­be­dürf­tigen und unter­stützen nach Bedarf bei den alltäg­li­chen Aufgaben. Dies sind Hilfen beim An- und Auskleiden, dem Toilet­ten­gang oder bei den Mahl­zeiten. Darüber hinaus leisten sie Gesell­schaft (Gespräche, Gesell­schafts­spiele, Spazier­gänge) und begleiten zu den behan­delnden Ärzten oder zu anderen Terminen.

Aus recht­li­chen Gründen darf eine Betreuerin keine medi­zi­ni­sche Pflege durch­führen. Ausge­schlossen sind deshalb Leis­tungen der soge­nannten „Behand­lungs­pflege“, also Verbands­wechsel, Stellen von Tabletten oder Injek­tionen etc.

Meist zieht die Pfle­ge­kraft bei der zu betreu­enden Person in die Wohnung ein. In seltenen Fällen wird ein Zimmer in der Nähe ange­mietet. Da sie in der Regel selbst eine Familie haben, ist der Einsatz zeit­lich begrenzt. Üblich ist ein Wechsel von zwei festen Betreu­ungs­kräften alle zwei Monate.

Hinweis zur Arbeits­zeit:

Die Bezeich­nung „24-Stunden-Pfle­ge­kraft“ ist auf Grund des deut­schen Arbeits­schutz­ge­setzes irre­füh­rend. Natür­lich kann auch eine 24h-Pfle­ge­kraft nicht 24 Stunden pro Tag arbeiten. Diese Bezeich­nung drückt mehr oder weniger aus, dass es sich um eine umfas­sende Betreuung einschließ­lich einer Rufbe­reit­schaft handelt. Wie jeder andere Mensch braucht die Pfle­ge­kraft Ruhe­zeiten und Pausen.

Neben den regu­lären Arbeits­zeiten, die 40 h wöchent­lich nicht über­schreiten sollten, gehören norma­ler­weise eine unge­störte Nacht­ruhe sowie 2-3 Stunden pro Tag zur freien Verfü­gung. Freie Tage oder ein freies Wochen­ende sind frei­willig. Sind die Nächte unruhig, muss die Möglich­keit geschaffen werden, den fehlenden Schlaf am nächsten Tag nach­zu­holen.

Wenn der Pfle­ge­be­dürf­tige z.B. nach dem Früh­stück versorgt ist und keine weitere Arbeit vorliegt, kann sich die Pfle­gerin in ihr Zimmer zurück­ziehen. Diese „Rufbe­reit­schaft“ zählt nicht zur reinen Arbeits­zeit.

Die oft ange­nom­mene stän­dige Verfüg­bar­keit führt manchmal zu Problemen mit Pfle­ge­be­dürf­tigen und Ange­hö­rigen. Oft ist es nicht möglich, der Betreu­ungs­kraft feste freie Zeiten zu geben. Ich empfehle jedoch sehr, Möglich­keiten zur Entlas­tung zu schaffen. Viel­leicht können Ange­hö­rige oder Besu­cher halbe Tage über­nehmen oder der Pfle­ge­be­dürf­tige besucht stun­den­weise eine Tages­pflege o.ä.
Eine über­mü­dete Pfle­ge­kraft ist auch für den Betrof­fenen kein Vorteil.

2. Welche Beschäftigungsmodelle sind möglich?

Grund­sätz­lich gibt es drei legale Möglichkeiten.

a. Die Pflegekraft ist selbständig tätig.

Sie arbeitet auf selbst­stän­diger Basis als Gewer­be­trei­bende. Bei den Gewerbe- und Finanz­äm­tern ist sie ordnungs­gemäß gemeldet und zahlt dort Steuern und Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­träge.

Hinweis: Bei diesem Modell gibt es jedoch eine recht­liche Grau­zone mit einem juris­ti­schen Risiko. Wenn die Pfle­ge­kraft nur einen einzigen Kunden hat ( was meist der Fall ist ), so besteht der Verdacht einer Schein­selb­stän­dig­keit. Sollte dies nach­ge­wiesen werden, müssen auch Sie juris­ti­sche Konse­quenzen mittragen.

b. Die Pflegekraft ist direkt in Ihrem Haushalt angestellt.

Bei einer Direkt­an­stel­lung in Ihrem Haus­halt sind Sie der Arbeit­geber mit voller Weisungs­be­fugnis. Gleich­zeitig müssen Sie dafür sorgen, dass alle recht­li­chen Bestim­mungen erfüllt sind. Dies ist ein großer orga­ni­sa­to­ri­scher Aufwand, verbunden mit höheren Kosten, für die meisten Fami­lien ist dies deshalb keine Lösung.

Hinweis: Eine ille­gale Beschäf­ti­gung von Pfle­ge­kräften kann hoch bestraft werden (Hinter­zie­hung von Sozi­al­ab­gaben, Beschäf­ti­gung ohne Arbeits­er­laubnis etc.)

Um den Fami­lien bei diesem hohen Orga­ni­sa­ti­ons­auf­wand beizu­stehen, gibt es – leider noch nicht flächen­de­ckend – zwei Orga­ni­sa­tionen, die den Ange­hö­rigen zeit­rau­bende Behör­den­gänge abnehmen. Gleich­zeitig achten sie auf die Einhal­tung der arbeits­recht­li­chen Vorgaben und vermit­teln zwischen Pfle­ge­kraft und Familie. Sie streben nach fairen und legalen Arbeits­be­din­gungen für auslän­di­sche Pfle­ge­kräfte und ebenso für die mensch­liche Betreuung von alten Menschen.

Verein für Inter­na­tio­nale Jugend­ar­beit: www.vij-faircare.de 

caritas 24: www.caritas.de

Caritas 24 bietet zum Herun­ter­laden einen sehr hilf­rei­chen Leit­faden mit den Rahmen­be­din­gungen zur Beschäf­ti­gung von Haus­halts­hilfen aus dem osteu­ro­päi­schen Ausland.

c. Die Pflegekraft wird von ihrem Arbeitgeber nach Deutschland entsendet.

Die Pfle­ge­kraft ist bei ihrem Arbeit­geber im jewei­ligen Heimat­land ange­stellt und wird nach Deutsch­land entsendet. Mit einer soge­nannten A1 – Beschei­ni­gung können die Pfle­ge­kräfte inner­halb der EU ihren Beruf ausüben. Dadurch bleibt der büro­kra­ti­sche Aufwand über­schaubar. Aller­dings gilt diese Bewil­li­gung nur für zwölf Monate. Anschlie­ßend müssen sie für zwei Monate zurück.

Grund­sätz­lich kann die A1-Beschei­ni­gung auch nach­träg­lich beigebracht werden, insbe­son­dere bei kurz­fris­tigen Einsätzen. Die Pfle­ge­kraft ist über die jewei­lige Agentur sozi­al­ver­si­chert.

Dieses Entsen­de­mo­dell ist die häufigste Variante.

3. Welche Qualifikation haben die osteuropäischen Pflegekräfte?

Das Quali­fi­ka­ti­ons­ni­veau der Betreue­rinnen reicht von ersten Erfah­rungen bei der Pflege von eigenen Ange­hö­rigen oder einem Prak­tikum in einem Alten­heim bis hin zu einer Ausbil­dung im Pflege- oder Sozi­al­be­reich. Sie kommen aus den unter­schied­lichsten Berufs­gruppen und Bevöl­ke­rungs­schichten. Nicht selten sind es Akade­mi­ke­rinnen, die keine Arbeit in ihren Heimat­län­dern gefunden haben. In der Regel arbeiten die Betreue­rinnen viele Jahre in der Alten­pflege.

Hinweis:
Das Sprach­ni­veau der Pfle­ge­kräfte ist eben­falls sehr unter­schied­lich. Vermit­telt werden Betreue­rinnen mit Grund­kennt­nissen bis hin zu einem fast mutter­sprach­li­chen Niveau. Auf den Frage­bögen der Agen­turen können Sie angeben, wie gut die Sprach­kennt­nisse sein sollen. Danach richtet sich auch die Vergü­tung der Pfle­ge­kräfte.
Bitte bedenken Sie auch: Bei manchen Krank­heits­bil­dern (z.B. Demenz) ist die Sprache nicht immer das wich­tigste Kommu­ni­ka­ti­ons­mittel. Bei körper­li­chen Einschrän­kungen ist jedoch der sprach­liche Austausch von großer Wich­tig­keit.

Aus persön­li­cher Erfah­rung empfehle ich, mit der vorge­schla­genen Betreu­ungs­person vorab zu tele­fo­nieren, um sich einen eigenen Eindruck verschaffen zu können.

4. Was kostet eine Pflegekraft aus Osteuropa?

Ich gehe hier nur auf die Kosten von Pfle­ge­kräften aus Osteu­ropa ein, die über eine offi­zi­elle Vermitt­lungs­agentur einge­stellt werden. Für die anderen Möglich­keiten stehen mir keine zuver­läs­sigen Angaben zur Verfü­gung, da sich manche Beschäf­ti­gungen im legal nicht eindeu­tigen Bereich bewegen.

Die Über­sicht dient nur als erste Orien­tie­rung. Die genauen Kosten sind abhängig von der jewei­ligen Hilfs­be­dürf­tig­keit und des Arbeits­auf­wands sowie der Quali­fi­ka­tion der Betreuungsperson.

a. Kosten für Verpflegung und Unterbringung 

Die Betreu­ungs­person bekommt kosten­frei ein möbliertes Zimmer sowie die Mitbe­nut­zung des Bade­zim­mers. Ich empfehle, dieses Zimmer möglichst wohn­lich zu gestalten. Fühlt sich Ihre Pfle­ge­kraft wohl und will­kommen, wirkt sich das auch auf die Zusam­men­ar­beit positiv aus. Ein paar Blumen zum Empfang sind ein guter Start für die gemein­same Zeit.

Nach Möglich­keit sollte ein Inter­net­an­schluss gestellt werden, damit der Kontakt zu den Ange­hö­rigen und Freunden in der Heimat gehalten werden kann. Die Betreu­ungs­kraft erhält freie Verpfle­gung im Haushalt.

b. Betreuungskosten – werden direkt an die Vermittlungsagentur gezahlt

Sie erhalten in der Regel alle 4 Wochen eine Rech­nung von der Agentur. Die monat­li­chen Kosten vari­ieren von ca. 2.500 Euro bis 3.000 Euro oder noch höher. Achten Sie bitte darauf, dass in der Pauschale auch die Reise­kosten, der Ersatz bei Ausfall der Betreu­ungs­person z.B. durch Krank­heit, Steuern und Sozi­al­ab­gaben und Versi­che­rungen enthalten sind. Manche Agen­turen stellen eine zusätz­liche Vermitt­lungs­ge­bühr in Rechnung.

4. Ist eine Kostenerstattung durch die Pflegekasse möglich?

Auslän­di­sche Betreu­ungs­dienste haben keine Koope­ra­ti­ons­ver­träge mit den deut­schen Pfle­ge­kassen, eine Über­nahme der Kosten ist somit nicht möglich. Sie erhalten jedoch bei Vorliegen eines Pfle­ge­grades die Zuschüsse, die Sie bei einer Pflege durch die Ange­hö­rigen bekommen würden.

Das soge­nannte Pfle­ge­geld beträgt

bei Pfle­ge­grad 2: 316 Euro bei Pfle­ge­grad 3: 545 Euro
bei Pfle­ge­grad 4: 728 Euro bei Pfle­ge­grad 5: 901 Euro

Für neu einge­stufte Personen mit Pfle­ge­grad 1 wird kein Pfle­ge­geld ausge­zahlt, sondern ein Entlas­tungs­be­trag in Höhe von 125 Euro zur Verfü­gung gestellt. Dieser kann für ambu­lante Sach­leis­tung verwendet werden, z.B. für stun­den­weise Betreuung durch zuge­las­sene Dienste.

» Rechen­bei­spiel für die monat­li­chen Kosten ohne weiteren Pfle­ge­dienst:

Frau M. hat Pfle­ge­grad 3 und somit Anspruch auf monat­lich 545 Euro Pfle­ge­geld. Für die polni­sche Betreu­ungs­kraft stellt ihr die Agentur monat­lich 1.900 Euro in Rech­nung.

Der Eigen­an­teil von Frau M.: 1.900 Euro abzüg­lich 545 Euro Pfle­ge­geld = 1.355 Euro Eigen­an­teil

Bei Unter­stüt­zung durch einen zuge­las­senen Pfle­ge­dienst verrin­gert sich das Pfle­ge­geld prozen­tual. In diesem Fall bean­tragen Sie bitte die Kombi­na­ti­ons­leis­tung bei Ihrer Pfle­ge­kasse.

Wird die pfle­ge­be­dürf­tige Person bereits seit mehr als sechs Monaten in der eigenen Häus­lich­keit gepflegt, hat sie Anspruch auf Verhin­de­rungs­pfle­ge­geld in Höhe von bis zu 2.418 Euro ( Grund­be­trag 1.612 Euro plus max. 806 Euro aus der Kurz­zeit­pflege). Während der Verhin­de­rungs­pflege wird die Hälfte des monat­li­chen Pfle­ge­geldes auch weiterhin ausbezahlt.

6. Steuerliche Vergünstigungen

Betreu­ungs­leis­tungen von offi­zi­ellen Agen­turen sind als „haus­halts­nahe Dienst­leis­tungen“ abzugs­fähig. Bis zu einem Gesamt­be­trag von jähr­lich bis zu 20.000 Euro können 20% (= 4.000 Euro) direkt von der Steuer abge­zogen werden.

Unter bestimmten Voraus­set­zungen lassen sich die Aufwen­dungen als „außer­ge­wöhn­liche Belas­tungen“ bei der Steu­er­erklä­rung angeben. Bitte infor­mieren Sie sich bei Ihrem Steu­er­be­rater, ob dies für Sie möglich ist.

7. Für wen eignet sich die Betreuung durch eine 24h-Pflegekraft? 

Nicht für jeden ist eine 24h-Pflege eine gute Lösung. Ein zu hoher Pfle­ge­auf­wand ist ebenso wenig dafür geeignet wie ein zu geringer oder unre­gel­mäßig zu leis­tender Pfle­ge­be­darf. 

Folgende Situa­tionen können mit einer 24h-Betreuung im Allge­meinen gut abge­deckt werden:

– Wenn die Pfle­ge­person den Haus­halt nicht mehr selb­ständig führen kann
– Unter­stüt­zung bei der Grund­pflege (Waschen, Ankleiden, Hilfe bei der Nahrungs­auf­nahme) notwendig ist
– regel­mäßig nachts einer Betreuung bedarf, z.B. beim Toilet­ten­gang
– aufgrund einer begin­nenden Demenz nicht mehr in der Lage dazu ist, alleine zu leben.

Bei einer Demenz im fort­ge­schrit­tenen Stadium mit gestörtem Tag-/Nach­trythmus oder einer aggres­siven Persön­lich­keits­ver­än­de­rung ist die Versor­gung durch eine 24h-Pfle­ge­kraft sehr frag­lich. Für eine inten­sive medi­zi­ni­sche Versor­gung oder bei psychi­schen Erkran­kungen der Pfle­ge­be­dürf­tigen ist diese Art der Pflege meiner Meinung nach nicht geeignet.

8. Was sind die Vorteile der 24h-Pflegekräfte aus Osteuropa?

Eine 24h-Pflege bietet einige Vorteile, die andere Pfle­ge­mo­delle nicht aufweisen:

– Die Versor­gung des Pfle­ge­be­dürf­tigen in den vertrauten vier Wänden – es ist kein Umzug im höheren Lebens­alter notwendig.
– Die sozialen Kontakte können leichter aufrecht­erhalten werden – Besuche von Freunden und Nach­barn sind spontan möglich.
– Indi­vi­du­elle Betreuung des Pfle­ge­be­dürf­tigen – Tages­rhythmus und Vorlieben können beibe­halten werden.
– Kein häufiger Wechsel der pfle­genden Bezugs­per­sonen.
– Relativ geringe Kosten im Vergleich zu deut­schen Pfle­ge­kräften.
– Ein Ansprech­partner ist rund um die Uhr in unmit­tel­barer Nähe.
– Sicher­heit und Entlas­tung für die Angehörigen.

9. Mögliche Schwierigkeiten bei der Versorgung durch osteuropäische Pflegekräfte

In manchen Fällen kann die Versor­gung durch eine Pfle­ge­kraft nicht ausrei­chend sein. Zur Ergän­zung müssen dann Leis­tungen von anderen Anbie­tern mit hinzu­ge­nommen werden. Dadurch steigen die monat­li­chen Kosten.

Beson­ders wichtig ist die Auswahl einer vertrau­ens­wür­digen Agentur mit sozi­al­ver­si­cherten Betreu­ungs­per­sonen. Lassen Sie sich immer die A1-Beschei­ni­gung zeigen.

Unzu­rei­chende Sprach­kennt­nisse
können die Kommu­ni­ka­tion erschweren. Bedürf­nisse und Nöte des Pfle­ge­be­dürf­tigen werden deshalb nicht ausrei­chend wahr­ge­nommen. Tele­fo­nieren Sie unbe­dingt vor dem Abschluss des Vertrages mit der zukünf­tigen Pflegekraft.

10. Wie finde ich die geeignete Vermittlungsagentur? 

In Deutsch­land gibt es mehrere hundert Vermitt­lungs­agen­turen für osteu­ro­päi­sche Pfle­ge­kräfte. Nicht jede arbeitet seriös. Auf den Webseiten der Pfle­ge­dienste werden oft Kunden­mei­nungen zitiert, die vermut­lich nicht immer der Realität entstammen.

Das Portal www.24h-pflege-check.de listet nahezu alle Vermitt­lungs­agen­turen. Es bietet einen Ange­bots-Service, bei dem Sie einen kurzen Frage­bogen ausfüllen. Dieser wird analy­siert und die Daten an bis zu drei geprüfte Anbieter zur Erstel­lung eines Ange­bots inklu­sive Perso­nal­vor­schlag weiter­ge­leitet.

Eine Check­liste erleich­tert die Suche nach einer seriösen Agentur.

Auf der Inter­net­seite https://www.pflege.de/content-upgrades/umfangreiche-broschuere-zur-24-stunden-betreuung/ können Sie sich die Check­liste herun­ter­laden. pflege.de berät Pfle­ge­be­dürf­tige und ihre Ange­hö­rigen deutsch­land­weit rund um die Themen Wohnen und Leben im Alter.

Die Stif­tung Waren­test hat 2017 einige der bundes­weit tätigen Vermitt­lungs­agen­turen getestet. Die Ergeb­nisse finden Sie im Internet oder in der Ausgabe 5/2017.

Sie können sich auch an die Pfle­ge­be­ra­tungen in Ihrer Kommune wenden ( Anlauf­stellen im Groß­raum Nürn­berg, Fürth und Erlangen finden Sie auf meiner Seite „Bera­tungs­stellen“) und sich dort beraten lassen oder fragen Sie im Bekann­ten­kreis nach Erfah­rungen mit Agenturen.

Merk­male von profes­sio­nellen Anbie­tern sind unter anderem:

– eine hohe Erreich­bar­keit von kompe­tenten Fach­be­ra­tern
– ein fester Ansprech­partner in Deutsch­land für die gesamte Vertrags­lauf­zeit
– ein tages­ge­nauer Gesamt­preis ohne versteckte Zusatz­kosten
– unver­bind­liche Vorschläge, die nach Ihren Wünschen ausge­wählt wurden
– idea­ler­weise Refe­renzen von bishe­rigen Einsatz­stellen
– eine Kündi­gungs­frist von nicht länger als zwei Wochen
– der Nach­weis einer legalen Entsen­dung und Sozi­al­ver­si­che­rung der Betreu­ungs­person
sehr wichtig: die Möglich­keit eines vorhe­rigen tele­fo­ni­schen Kontakts mit der Betreuungsperson

Bean­tra­gung der Pfle­ge­kraft

Die betref­fende Agentur schickt Ihnen zunächst einen ausführ­li­chen Erhe­bungs­bogen, um sich ein Bild von Ihrer indi­vi­du­ellen Betreu­ungs­si­tua­tion machen zu können. Sie geben Ihrer­seits die genauen Wünsche und Anfor­de­rungen an die Pfle­ge­kraft an.

Nach wenigen Tagen erhalten Sie einen Betreu­ungs­vor­schlag. Sagt Ihnen diese Pfle­ge­kraft zu, schließen Sie den Betreu­ungs­ver­trag ab. Lassen Sie sich dafür viel Zeit und beachten Kündi­gungs­fristen, Lauf­zeiten, Vertre­tungs­an­ge­bote etc. Keine Zahlungen vorab!

Wichtig sind quali­fi­zierte Bera­tungs­kräfte bei der deut­schen Vermitt­lungs­agentur, die bei Problemen vermit­teln können. Vorsicht ist geboten, wenn auf schnelle Entschei­dungen gedrängt wird.

Die Agentur orga­ni­siert die Anreise der Pfle­ge­kraft und die Pfle­ge­kraft beginnt mit der Betreuung.

⇒ Eine 24h-Betreuung mit osteuropäischen Pflegekräften kann für den Pflegebedürftigen und seine Angehörigen eine große Entlastung und eine gute Alternative zum Umzug in ein Pflegeheim sein. 
Oft entwickeln sich im Laufe der Zeit enge persönliche Beziehungen und führen zu einer erhöhten Lebensqualität im eigenen Zuhause.
Geben Sie der Betreuungskraft die Möglichkeit, ihre Privatsphäre zu haben und den regelmäßigen Kontakt zu ihrer Familie aufrecht zu erhalten. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit zu Beginn der Tätigkeit, ihr die häuslichen Gegebenheiten und die erwarteten Tätigkeiten zu erklären. 

Eine respektvolle Behandlung ist Voraussetzung für ein gutes Miteinander.

Buch­emp­feh­lung:

„Eine Polin für Oma: Der Pfle­ge­not­stand in unseren Fami­lien“

Die Jour­na­listin Inge­borg Haffert hat sich in ihrem Buch mit dem „Pfle­ge­not­stand“ ausein­an­der­ge­setzt und über einen längeren Zeit­raum mit Ange­hö­rigen, polni­schen 24h-Pfle­ge­kräften und Pfle­ge­be­dürf­tigen gespro­chen. Miss­stände und Probleme werden offen­ge­legt und Verbes­se­rungs­vor­schläge disku­tiert.

Lesens­wert – nicht nur für Betrof­fene. Fami­lien, die sich für die Betreuung durch eine osteu­ro­päi­sche Pfle­ge­kraft inter­es­sieren, lege ich dieses Buch ganz beson­ders ans Herz. Es ist eine sehr hilf­reiche Vorbe­rei­tung für Betrof­fene und Ange­hö­rige und manche Probleme können dadurch sicher­lich vermieden werden.